31.01.2017
Otto Theel
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Sie wird uns sehr fehlen

Marianne Kühn-Berger - eine Frau mit großem Herzen und viel Optimismus

Ausstellungseröffnung in Neuruppin
Neuruppin

Wenige Tage vor dem Jahreswechsel ereilte uns die Nachricht vom plötzlichen Tod der Künstlerin Marianne Kühn-Berger.
Alle, die mit Marianne enger verbunden waren, sind von dieser Nachricht umso mehr betroffen, weil sie gerade in den letzten Monaten intensiv damit befasst war, eine große Werkschau über ihr Schaffen vorzubereiten, die anlässlich ihres 90. Geburtstags im März 2017 im Neuruppiner Museum eröffnet werden sollte. Alle bisher an diesem Projekt Beteiligten haben die Absicht erklärt, alles dafür zu tun, dass diese Ausstellung zu Ehren der verehrten Künstlerin Wirklichkeit werden kann.

Marianne Kühn-Berger haben wir spätestens seit ihrem Umzug vor zwei Jahrzehnten nach Neuruppin als neues und hoch anerkanntes Mitglied der großen Ruppinschen Künstlergemeinschaft kennen und schätzen gelernt. Ihr Weg in die Stadt Theodor Fontanes war allerdings sehr lang und auch nicht ganz ohne äußeren Zwang.

Geboren in der schlesischen Stadt Breslau, absolvierte sie schon als Schülerin eine Mal- und Zeichenausbildung. Früh erlebte sie die Schrecken des Zweiten Weltkrieges, in dessen Folge sie wie Millionen anderer Menschen ihre Heimat verlassen musste. Ihre künstlerische Vorbildung ermöglichte ihr ein Studium an der Akademie für Grafik und Buchkunst. Durch ihre dortigen Lehrer, zu denen insbesondere Max Schwimmer gehörte, erwarb sie die Fähigkeit, ihr Streben nach künstlerischer Vervollkommnung mit gesellschaftlichen Vorgängen und Bedürfnissen zu verbinden. Kunst als reine Dekoration oder nur als reine Konsumbefriedigung war ihre Sache nie.

Die Stationen ihrer künstlerischen Tätigkeit sind vielfältig; nur wenige seien hier genannt:
○ das Deutsche Modeinstitut,
○ die Frauenzeitschrift »Sibylle«,
○ verschiedenste Zeitschriften und
Magazine,
○ Mitarbeit bei Produktionen für Film und
Fernsehen.
Legendär wurden ihre Schöpfung der Bekleidung für die Stewardessen der Interflug und ihre Raumgestaltungen in den verschiedensten öffentlichen Gebäuden.
Im Ruppiner Land realisierte sie Aufträge u.a. für den Klub der Gewerkschaften und das Kernkraftwerk in Rheinsberg, für das Puschkinhaus und den Rosengarten sowie für die Elektro-Physikalischen Werke.

Ihre Beteiligungen an nationalen und internationalen Ausstellungen reichen von Berlin, Dresden, Potsdam, Cottbus, Frankfurt/O. bis Warschau, Opole, Poznan, Russe, Budapest, Moskau, Minsk und Prag.
Durch öffentliche Ankäufe befinden sich ihre Exponate u.a. in London, Warschau, Minsk, Toronto, Madrid und Amsterdam.

Zur Stadt Neuruppin entwickelte Marianne ein besonderes Verhältnis, auch durch die Arbeit ihres Mannes, Kurt-Hermann Kühn, an dem Gemäldezyklus im Festsaal der Ruppiner Kliniken. Wenn es ihre Zeit zuließ, unterstützte sie dessen Arbeit mit ihrem künstlerischen Rat und ihrem Gespür für die richtige Auswahl der Farben.
Auf den Verlust ihres Mannes im Jahre 1989 folgte der Verlust ihrer Wohnung und ihres Ateliers in Wilhelmshorst. Bei der Suche nach einem neuen Zuhause erhielt Marianne von der mit ihr befreundeten ehemaligen Obermuseumsrätin Lisa Riedel die Empfehlung, Neuruppin als neuen Wohn- und Arbeitsort zu wählen. Seit 1997 lebte und arbeitete Marianne in unserer Stadt.

Wir freuten uns, dass sie sehr schnell Kontakt zu den Menschen ihrer neuen Heimat fand und sich in vielfältiger Weise in das gesellschaftliche Leben unserer Stadt einbringen konnte. So war es für sie auch keine Frage, ob sie bei der großen Bürgerbewegung gegen die Wiederinbetriebnahme des »Bombodroms« in der Kyritz-Ruppiner Heide mitwirkt - sie wurde zu einer aktiven Beraterin der Initiatoren und unterstützte sie mit ihren künstlerischen Mitteln.

Gern erinnern wir uns an ihre vielfältigen Ausstellungen in der »kleinen Galerie« der Geschäftsstelle der LINKEN. Bei den Gesprächen mit Gästen dieser Veranstaltungen wurden ihre große Sachkenntnis, ihre Kreativität und ihr Optimismus deutlich.

Wir sind stolz darauf, dass sie bei uns ihre politische Heimstatt gefunden hatte.
Wir werden ihre unaufdringliche Art, mit leiser Stimme den eigenen Standpunkt zu
vertreten, vermissen.
Mariannes gewinnendes Lächeln wird uns fehlen.