Do, 24. 11. 2022, 19:00, Berlin

Der revolutionäre Defätismus im zweiten Weltkrieg und die Gründung der Internationalen Kommunistischen Partei

Nach dem Verrat der sozialdemokratischen Zweiten Internationale, die während des Ersten Weltkrieges ihre "Vaterländer nicht im Stich lassen" wollte, war der revolutionäre Defätismus (die Verweigerung und der Kampf für die Niederlage der "eigenen" Bourgeoisie) die einzige Möglichkeit der revolutionären Sozialisten, um ihre internationalistische Position aufrecht zu erhalten und nicht Teil des historischen überholten kapitalistischen Systems zu werden.

Auf dieser Grundlage wurde 1919 die Kommunistische Internationale gegründet, die allerdings nach nur wenigen Jahren vor dem Hintergrund des Ausbleibens der Weltrevolution in das Fahrwasser der alten sozialdemokratischen "Realpolitik" geriet. Der politische Kampf um bessere Rahmenbedingungen für die Existenz im Kapitalismus ersetzte immer mehr den Klassenkampf gegen den Kapitalismus. Ein Höhepunkt fand diese opportunistische Entwicklung im Antifaschismus, der den proletarischen Antagonismus im bürgerlichen Bündnis für die Herrschaftsform des Kapitals (die in Wirklichkeit nicht zu trennende demokratische oder faschistischen Diktatur) negierte.

Ähnlich wie der sozialdemokratischen Revisionismus die Arbeiterklasse in den Ersten Weltkrieg geführt hatte, führte im Zweiten Weltkrieg der stalinistische Opportunismus die Arbeiterklasse in die "antifaschistische" Kriegsfront der westlichen kapitalistischen Staaten. Es war nur die kleine Minderheit der Kommunistischen Linken, die die Klassenposition verteidigte und an der Perspektive der proletarischen Revolution festhielt. In Italien wurde diese Fraktion Wirkungsmächtig, als Anfang 1943 die Arbeiterklasse auf ihrem Terrain wieder sichtbar wurde: Bei den Streiks in Piemont und der Lombardei, die nicht die "Freiheit der italienischen Nation" (wie von der stalinistischen Italienischen Partei propagiert), sondern ihre sozialen Interessen in den Vordergrund stellten. Vor diesem Hintergrund formierten sich die Fraktionen der Kommunistischen Linken in Norditalien zur Internationalistischen Kommunistischen Partei (PCInt).

Dieser schlossen sich später die Gruppen aus Süditalien um den früheren Mitbegründer der Kommunistischen Partei von Italien Amadeo Bordiga an. Vor dem Hintergrund des Ausbleibens einer revolutionären Welle am Ende des Weltkrieges (wozu im Unterschied zum Ersten Weltkrieg die antifaschistische Domestizierung der Arbeiterbewegung maßgeblich beigetragen hatte), konstatierten sie eine Kontinuität des faschistischen ökonomischen Systems im demokratischen Gewand. Demgegenüber war die Kontinuität der Kommunistischen Bewegung durch den faschistischen und stalinistischen Terror und die Verheerungen der ideologischen Konterrevolution arg beschädigt. Es erforderte einen längeren theoretischen Klärungsprozess in der jungen PCInt um zurück auf den Weg des invarianten Marxismus und der historischen Partei des Proletariats zu gelangen.

Ergebnis dieses Klärungsprozesses war 1952 die Gründung der Internationalen Kommunistischen Partei.

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