Mo, 20. 09. 2021, 18:00 - Mo, 18. 10. 2021, 20:30, Berlin

BERLINER FILMMONTAG - Berlin im Film

Eine Veranstaltung von Friedrich-Wolf-Gesellschaft, nd und Kino Toni mit freundlicher Unterstützung von BAUWERT AG.

Die pulsierende, lärmende, teils auch brutale Wirklichkeit der Großstadt Berlin war immer wieder Ausgangspunkt von Filmproduktionen. In der Reihe "Berliner Filmmontag im Toni" werden herausragende Kinofilme gezeigt, die Berlin zu einer bestimmten Epoche zeigen oder das politische, wirtschaftliche oder kulturelle Leben Berlins zum Thema haben. Der historische Bogen reicht von den von 1930er Jahren bis 2005. Der Filmklassiker des politischen deutschen Films "Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt" (am 20.09.) von Slatan Dudow und Bertolt Brecht zeigt Berlin Anfang der 1930er Jahre und die Nöte der Arbeiter. Aus den Anfangsjahren der DEFA wird der Filmklassiker "Die Buntkarierten" (am 18.10.) von Kurt Maetzig gezeigt. Die Sozialkomödie „Sommer vorm Balkon(am 04.10.) von Andreas Dresen und Wolfgang Kohlhaase zeigt das wiedervereinte und hauptstädtische Berlin.

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Montag, den 20. September 18.00
Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? (D 1932, s/w, 74 min)

Regie: Slatan Dudow, Drehbuch: Bertolt Brecht, Ernst Ottwalt, Slatan Dudow, Kamera: Günter Krampf
Darsteller: Hertha Thiele, Ernst Busch, Marta Wolter, Adolf Fischer, Lili Schoenborn, Gerhard Bienert, Erwin Geschonneck

„Kuhle Wampe“ spielt im Berlin der frühen 1930er-Jahre. Zu Beginn des Films stürzt sich ein arbeitsloser junger Mann (Annis Bruder) aus Verzweiflung aus dem Fenster, nachdem er den Tag wieder vergeblich damit verbracht hat, nach Arbeit zu suchen. Seiner Familie wird kurz darauf die Wohnung gekündigt. Sie zieht auf einen Campingplatz mit dem Namen „Kuhle Wampe“. Anni, die Tochter der Familie und das einzige Familienmitglied, das noch Arbeit hat, wird schwanger und verlobt sich mit ihrem Freund Fritz, der schon am selben Abend erklärt, dass ihm die Verlobung aufgrund von Annis Schwangerschaft aufgezwungen wurde. Anni verlässt ihn nach dieser Erklärung und zieht zu ihrer Freundin Gerda. Sie nimmt später an einem Arbeitersportfest teil, wo sie wieder auf Fritz trifft, der zuvor seine Arbeit verloren hat. Sie finden daraufhin wieder zueinander. Höhepunkt des Filmes bildet die Heimfahrt mit der S-Bahn (diese Szene wurde von Bertolt Brecht geschrieben). In dieser streiten sich Anni, Fritz sowie einige Arbeiter mit bürgerlichen und wohlhabenden Männern und Frauen über die Situation der Weltwirtschaftskrise. Einer der Arbeiter bemerkt, dass die Wohlhabenden die Welt sowieso nicht verändern werden, worauf einer der Wohlhabenden fragend erwidert, wer denn stattdessen die Welt verändern könne. Gerda antwortet: „Die, denen sie nicht gefällt.“ Der Film endet mit dem Singen des Solidaritätsliedes.

Der Filmkritiker Rudolf Olden lobte die Entwicklung des Films, die „[r]eine Linie von unten nach oben, aus der Tiefe in die Höhe“, „[a]us dem Elend der Arbeitslosigkeit zur Freude proletarischen Sporttreibens, aus der Enge der Hinterhauswohnung zum Genuß der Natur, aus der Verbissenheit stickigen Familiengezänks zu kameradschaftlicher Solidarität der Jugend, aus dem Druck kleinbürgerlicher Verzweiflung zu idealistischen Zukunftshoffnungen.“

Gesprächspartner: René Pikarski
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Montag, den 4. Oktober 18.00
Sommer vorm Balkon (D 2005, fa, 110 min)

Regie: Andreas Dresen, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Kamera: Andreas Höfer, Musik: Pascal Comelade
Darsteller: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld, Christel Peters, Kurt Radeke

Nike und Katrin wohnen in einem alten Mietshaus im Berliner Osten und sind beste Freundinnen. Tagsüber gehen sie ihrer Wege – die schlagfertige Nike arbeitet als Altenpflegerin, die geschiedene Katrin sucht lange schon einen Job und kümmert sich gleichzeitig um ihren pubertierenden Sohn Max. Die lauen Sommernächte indes verbringen die beiden Frauen gemeinsam auf Nikes Balkon, teilen ihre Erlebnisse und Träume auf der Suche nach dem Glück im Alltag. Trotz getrennter Wohnungen leben sie so irgendwie zusammen, doch als der LKW-Fahrer Ronald auf der Bildfläche erscheint, droht sich dieses Leben grundlegend zu ändern.

„Sommer vorm Balkon ist eine Sozialkomödie, die begeistert, anrührt und die Zuschauer geradezu beglückt – was sich über einen Film selten sagen lässt. Das liegt am brillanten Drehbuch des Solo Sunny-Autors Wolfgang Kohlhaase, dem erfrischend natürlichen Spiel seiner Hauptdarstellerinnen Nadja Uhl und Inka Friedrich und ganz besonders an der speziellen Fähigkeit von Andreas Dresen, das kleine Alltagsleben, um die Ecke ungefiltert und lebensecht abzubilden. Mit der größten Leichtigkeit bezieht Dresen Laiendarsteller in die Handlung ein, die zum unverzichtbaren Bestandteil des Films werden und ihn stimmig in den jeweiligen Milieus verwurzeln. Dieser Sommer ist ein Geschenk. Lassen Sie es sich nicht entgehen.“ (CINEMA)

Gesprächspartner: Andreas Dresen
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

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Montag, den 18. Oktober 18.00
Die Buntkarierten (DEFA 1949, s/w, 105 min)

Regie: Kurt Maetzig, Drehbuch: Berta Waterstraat, Kamera: Friedl Behn-Grund, Karl Plintzner, Musik: H. W. Wiemann
Darsteller: Camilla Spira, Werner Hinz, Lotte Lieck, Friedrich Gnaß, Carsta Löck, Ursula Diestel, Yvonne Merin, Willi Rose, Hans Klering, Brigitte Krause

Chronik einer Berliner Arbeiterfamilie über drei Generationen. 1884 kommt Guste als uneheliches Kind eines Dienstmädchens zur Welt. Auch sie wird Dienstmädchen und heiratet den Arbeiter Paul. Im Ersten Weltkrieg wird Paul eingezogen und Guste Munitionsarbeiterin. Paul kehrt aus dem Krieg zurück. Weltwirtschaftskrise und aufkommender Faschismus wecken in ihm ein politisches Bewusstsein. Er wird arbeitslos und stirbt bald darauf. Im Zweiten Weltkrieg verliert Guste ihren Sohn. Ihr bleibt die Sorge für die Enkelin, der sie nach Kriegsende zum Studienbeginn aus der buntkarierten Bettwäsche der einfachen Leute ein Kleid näht.

Die zeitgenössische Kritik lobte den Film als „ein großartiges Epos“. Von der Regie sei „die Atmosphäre der Berliner Arbeiterwelt sehr genau und einfühlsam erfasst und wiedergegeben worden. Das fängt bei den Bauten an und hört bei den Darstellern auf“. Besonders hervorgehoben wurde die authentische Darstellung der Schauspieler, die nicht wie „‚verkleidete‘ Schauspieler“ wirken.

Gesprächspartner: Dr. Ralf Schenk
Einführung und Moderation: Paul Werner Wagner

Wo?

Kino Toni
Antonplatz 1
13086 Berlin