Di, 28. 09. 2021, 10:00 - 12:00, Berlin

Am Beispiel der Türkei - globale Flucht- und Migrationsbewegungen gestern und heute

Als "Boten des Unglücks" bezeichnete der Flüchtling Bertolt Brecht sich und seinesgleichen, denn Geflüchtete zeigen die planetarischen Konflikte auf - von pandemischer Armut und globaler Ungleichheit über ausufernde Kriege bis hin zur Klimakatastrophe.
Am Beispiel der Türkei wird das dargestellt und diskutiert. Die Veranstaltung schlägt einen Bogen von den Flüchtlingen während der Nazidiktatur, von denen gerade die politisch Verfolgten oft zurückkehrten, zu denjenigen aus unseren Tagen.
Nach 1933 gingen etliche Intellektuelle und Spezialisten in die türkische Republik. Während Ernst Reuter, Wilhelm Röpcke oder Clemens Holzmeister bei der Modernisierung halfen, waren die allgemeinen Einwanderungs- und Transitquoten so niedrig, dass die Auflösung des Rückstaus von Flüchtlingen 200 Jahre gedauert hätte.
Durch das Anwerbungsabkommen mit der Türkei entwickelte sich vor 60 Jahren, kurz nach dem Mauerbau, Westberlin zur drittgrößten türkischen Stadt und die Weichen zum Einwanderungsland Deutschland wurden gestellt. Heute kommen hochgebildete Türken ins deutsche Exil während - nach Angaben der UNO-Flüchtlingshilfe - die Türkei zur gleichen Zeit weltweit das Land ist, in dem die meisten Vertriebenen und Geflohenen leben. Dafür bezahlt die EU den türkischen Staat, der Oppositionelle einsperrt oder zur Flucht zwingt.

Über die Remigranten früherer Tage verfasste der Historiker Prof. Mario Keßler etliche Publikationen. Dr. Achim Engelberg erzählt in seinem aktuellen Buch "An den Rändern Europas" auch von der Flucht in die und aus der Türkei, darunter die Geschichte seines Vaters, des Historikers Ernst Engelberg.

Moderation: Marilies Müller



Kosten: 2,00 Euro

Anmeldung erforderlich

Wo?

FMP1, Münzenbergsaal
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin