Do, 5. 11. 2020, 09:30 - Sa, 7. 11. 2020, 22:00, Berlin

«kamalatta lesen»

«Ich will mich wirklich hindern, das Einzige zu tun, wenn ich doch tatsächlich alles meine.»

Christian Geissler (1928 – 2008) war gleichermaßen politischer Aktivist und literarischer Autor. Sein Werk atmet die Lust und die Liebe zu leben, erzählt von existenziellen Bedrohungen, Kämpfen und Glück. Geisslers Konsequenz, seine Radikalität und Zerrissenheit geben seinen Büchern ihre Aktualität, machen sie heute interessant vor allem für jene, die über die Notwendigkeit von Widerstand und Militanz nachdenken – egal ob es um alte und neue Nazis, die neoliberale Wirtschaftsordnung, Rassismus oder die Rettung des Klimas geht. 

In «Das Brot mit der Feile» (1973) erzählt Christian Geissler vom politischen Aufbruch in den 1960er Jahren, in «Wird Zeit, dass wir leben» (1976) von den Kämpfen der Kommunisten zwischen 1923 und 1933 und in «kamalatta» (1988) vom weit gefächerten Widerstand zwischen Arbeitsloseninitiativen und bewaffneten Gruppen in den 1980er Jahren.

Vor allem «kamalatta» war und ist ein literarisches und politisches Ereignis. Aktuelle Lesarten und die Relevanz des Romans in gegenwärtigen politischen Diskussionen stehen im Mittelpunkt dieser Tagung, die die Christian-Geissler-Gesellschaft gemeinsam mit dem Literaturforum im Brecht-Haus und Helle Panke e.V. veranstaltet.

Programm

Donnerstag, 5. November, 20.00 Uhr
Konsequent, radikal, zerrissen. Ein Abend zu Christian Geissler

In einer vielstimmigen Lesung aus „kamalatta“ greifen die Leipziger Schauspielerinnen Lysann Schläfke, Marie Wolff, Lisa Dressler einzelne, inhaltlich und formal zentrale, teils auch widersprüchliche Passagen heraus und setzen diese in ein spannungsreiches Mit- und Gegeneinander. Außerdem werden das Hörstück „Die Distanz war gegeben“ (2019) von Clemens Böckmann (Leipzig) und Ausschnitte aus Christian Geisslers Dokumentarfilm „Grenzansichten“ vorgeführt. Durch den Abend führt Detlef Grumbach.

Freitag, 6. November

9.30 – 10.00 Uhr Anmeldung & Begrüßung
Christian Hippe (Literaturforum im Brecht-Haus) und Detlef Grumbach (Christian-Geissler-Gesellschaft)

10.00 Uhr – 10.45 Uhr
Jochen Schimmang (freier Schriftsteller): «die mühe ums leben» –  Das richtige im Leben im falschen?

10.45 Uhr – 11.30 Uhr
Sabine Peters (freie Schriftstellerin): Wege der Wünsche – Umwege, Irrwege und Suchwege in „kamalatta“

11.30 Uhr – 12.15 Uhr
Klaus Weber (Hochschule für angew. Soz.-wiss. München): „dem schlachthaus die stirn: die liebe“ –  Christian Geisslers Menschenliebe von „Kalte Zeiten“ bis „kamalatta“

12.15 Uhr – 13.00 Uhr
Ingo Meyer (Universität Klagenfurt): Widerstand, Befreiung - und Romantik?  – Über den Ort von Geisslers kamalatta als "romantisches Fragment" im Diskurs der Gegenwartsliteratur

Pause

14.30 Uhr – 15.15 Uhr
Markus Wiefarn (LMU München): Mit der Sprache kämpfen. – Christian Geisslers „kamalatta“ und Rainald Goetz‘ „Kontrolliert“

15.15 Uhr – 16.00 Uhr
Gerhard Bauer (FU Berlin): „kamalatta“-Sprache oder: die Freisetzung des Intellekts vom „Hofgang unserer Gedanken

16.00 Uhr – 16.45 Uhr
Matthias Krumpholz (Universität Augsburg): „Sprache des Widerstands, Sprache des Lernens“ – Versuch einer poetologischen Einordnung zu Geisslers „kamalatta“

Pause

17.00 Uhr – 17.45 Uhr
Detlef Grumbach (freier Journalist): Antifaschismus und „realer Sozialismus“ in Christian Geisslers „kamalatta“

17.45 Uhr – 18.30 Uhr
Jan Hendrik Schulz (Universität Hamburg): Kontinuum der Solidarität. Christian Geissler und die Hungerstreiks der RAF

Samstag, 7. November

10.00 Uhr – 10.45 Uhr
Jan Decker (Schriftsteller in Osnabrück): „kamalatta“ und „Unser Boot nach Bir Ould Brini“: das Motiv des Verstummens als Steigerungsmittel der politischen Wirkungsabsicht

10.45 Uhr – 11.30 Uhr
Dirk Brauner (Europa-Universität Viadrina Frankfurt / O.): „aufstand der träume“. rocker und das Problem der Gattung in Christian Geisslers kamalatta

11.30 Uhr – 12.15 Uhr
Johannes Christof (Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt / M.): „gold rollt der vogel pirol“ – Das Vogelmotiv in Christian Geisslers Roman „kamalatta“

12.15 Uhr – 13.00 Uhr
Cornelius Schwehr (Musikhochschule Freiburg): Musik in der Sprache, Sprache als Musik.

13.00 – 13.15 Uhr
Schlusswort / Verabschiedung

20 Uhr Abendveranstaltung
Polarisierung, Widerstand & Militanz. „kamalatta“ und die Möglichkeiten einer politischen Ästhetik heute
Podiumsdiskussion mit Dorothea Dieckmann, Hanna Mittelstädt & Ulrich Peltzer
Moderation: Helmut Böttiger

Aufgrund der Ansteckungsgefahr durch Corona bitten wir um Anmeldung für die Veranstaltung. Der Ticketverkauf findet im Brecht-Haus statt.


Die Konferenz ist eine Kooperationsveranstaltung mit der Christian-Geissler-Gesellschaft und dem Literaturforum im Brecht-Haus.



Kosten: 20 Euro / 15 Euro ermäßigt

Wo?

Literaturforum im Brecht-Haus
Chausseestr. 125
10115 Berlin