Di, 3. 11. 2020, 18:00 - Do, 5. 11. 2020, 20:00, Bitterfeld-Wolfen / OT Wolfen

9. Wolfener Filmtage - Künstlerbild im DEFA-Film

Wenn Künstler Künstler porträtieren, stellt das Resultat meist eine kaum verhohlene Selbstreflexion dar. Wenn Regisseure in der DDR Filme über Künstler drehten, reflektierten sie darüber hinaus auch ihr Verhältnis zu Partei und Staat. Als massenwirksame Kunstform war der Film besonders wachsamer Beobachtung von »oben« ausgesetzt. Statt direkt Missstände anzuprangern, kamen daher auch DDR-Filmschaffende meist über Umwege zum Ziel. Auf die Fähigkeit ihres Publikums, zwischen den Zeilen zu lesen, konnten sie sich verlassen. Und bei welchem Mitglied der Gesellschaft ließen sich Widersprüche und Kritik besser bündeln als bei einem epochen- und systemunabhängigen Außenseiter, dem Künstler?

Dienstag, 3.11. 18.00 Uhr
Fünf Tage - fünf Nächte (DEFA/Mosfilm 1961)

Regie:
Lew Arnstam, Heinz Thiel, Anatoli Golowanow, Drehbuch: Leo Arnstam, Wolfgang Ebeling, Kamera: Alexander Schelenkow, Jolanda Tschen, Musik: Dmitri Schostakowitsch, Darsteller: Annekathrin Bürger, Hans-Dieter Knaup, Wsewolod Safanow, Wsewolod Sanajew, Marga Legal, Wilhelm Koch-Hooge, Barbara Dittus, Raimund Schelcher

8. Mai 1945 in Dresden. In der zerstörten Stadt wird der Maler Paul Naumann von sowjetischen Soldaten aufgefordert, sie zur Gemäldegalerie zu bringen. Hauptmann Leonow hat den Auftrag, die weltberühmten Kunstwerke zu retten. Der seelisch zerstörte Paul kann angesichts des Zusammenbruchs keinen Elan aufbringen, ebensowenig die zwischen den Trümmern sitzende, deprimierte Museumsangestellte Luise Rank. Der Einsatz der Soldaten aber aktiviert die beiden, sich an der Suche nach den ausgelagerten Gemälden zu beteiligen. In einem Bergschacht finden sie die Kunstschätze, doch der Zugang ist vermint. Ein Soldat verliert bei der Bergung sein Leben. Aus der Sowjetunion angereiste Spezialisten beginnen mit der Restauration. Naumann und Luise Rank stellen ihre Kenntnisse zur Verfügung. Und als Paul seine längst tot geglaubte Freundin Katrin, die in einem KZ war, wiederfindet, wird auch für ihn das Ende zu einem neuen Anfang.

Es war die erste filmische Zusammenarbeit zwischen der DDR und der Sowjetunion. Die Filmmusik komponierte Dmitri Schostakowitsch inspiriert von Impressionen seines Besuches von Dresden und der Sächsischen Schweiz.

Gesprächspartner: Annekathrin Bürger

Mittwoch, 4.11. 10.00 Uhr
Sabine Wulff (DEFA 1978, fa, 91 min)

Regie: Erwin Stranka, Drehbuch: Erwin Stranka, Literarische Vorlage Roman von Heinz Kruschel: "Gesucht wird die freundliche Welt", Kamera: Peter Brand, Musik: Karl-Ernst Sasse, Darsteller: Karin Düwel, Manfred Ermst, Jürgen Heinrich, Hans-Joachim Frank, Lars Jung, Jutta Wachowiak, Swetlana Schönfeld, Ursula Staack, Juliane Korén, Annelise Matschulat, Hannelore Telloke, Ilse Voigt, Karla Runkehl, Erik S. Klein, Gerhard Bienert, Katharina Rothärmel, Susanne Roder, Rolf Hoppe, Wolfram Handel, Willi Schrade u.a.

Sabine ist gerade 18, als sie aus dem Werkhof entlassen wird. Ihr fehlt nun die freundliche Wärme, die ihre Erzieherin ausstrahlte und die sie bei ihren Eltern vermisst. Deshalb will sie auch nicht zu ihnen zurückkehren. Tief enttäuscht ist sie auch von ihrem alten Freund Jimmy, für den sie einst Zigaretten stahl und zu dem viele kamen, weil er zuhörte und für alle Probleme Verständnis zeigte. Jimmy lebt als freier Künstler in den Tag hinein. Ihr Onkel Karl, mit dem Sabine als kleines Mädchen stundenlang zusammen war und der ihr tiefes Vertrauen besaß und immer noch besitzt, ist alt und krank. Sabine ist also ganz auf sich allein gestellt, muss neu anfangen, sich eine ehrliche Arbeit suchen, mit ehrlich verdientem Geld das möblierte Zimmer bezahlen. Neue Freunde wollen gewonnen sein. Was für Sabine nicht leicht ist, weil sie mit ihrer unbedingten Wahrheitsliebe und ihrem Gerechtigkeitsgefühl schnell die Menschen vor den Kopf stößt. Langsam findet sie sich jedoch in ihre neue Umgebung, und auch das neue Arbeitsfeld wird ihr vertrauter. Sie macht es sich dabei noch immer nicht einfach, weil sie misstrauisch beobachtet, wie man auf sie reagiert. Sabine ist ein aktiver Mensch, der gebraucht werden will und seinen Platz im Leben sucht. Manches Mal ist sie fast so weit, alles hinzuschmeißen und wegzulaufen. Aber dann sind doch immer wieder Menschen da, die ihr helfen und gerade auch ihrer Offenheit mit Sympathie begegnen. Sabine wird ihren Weg im Leben finden...
Ein außergewöhnlicher Film über ein Mädchen auf dem Weg zum Erwachsenwerden!

Gesprächspartner: Dr. Ralf Schenk (Filmhistoriker)


Mittwoch, 4.11. 18.00 Uhr
Hälfte des Lebens (DEFA 1985)
Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin

Regie: Herrmann Zschoche, Drehbuch: Christa Koczik, Herrmann Zschoche, Darsteller: Ulrich Mühe, Jenny Gröllmann, Michael Gwisdwek, Swetlana Schönfeld, Christine Gloger, Simone Frost, Rolf Hoppe, Raimar J. Baur, Peter Bause, Hilmar Baumann

1796 erhält der junge Lyriker Friedrich Hölderlin eine Anstellung als Hauslehrer im Haus der Frankfurter Bankiersfamilie Gontard. Er unterrichtet die vier Kinder von Jakob Gontard und seiner Frau Susette. Hölderlin und Susette beginnen eine Affäre. Als Jakob Gontard von der Beziehung erfährt, verweist er Hölderlin des Hauses. Unter der tragisch scheiternden Liebe leiden die Verliebten sehr. Der Film zeichnet Hölderlins Lebensweg bis ins Jahr 1806 nach.

„Hochdramatisch gesteigert die Liebesszenen, in den zartesten Seelenschwingungen wie im Sinnenrausch der körperlichen Vereinigung. Heraufbeschworen in Bildern von einer suggestiven optischen Opulenz eine romantische Symbolwelt, zu der Natur wie Interieurs gleichermaßen beitragen.“ (Neue Zeit 1985)

Gesprächspartner: Dr. Ralf Schenk (Filmhistoriker)

Schülerveranstaltung (Heinrich-Heine-Gymnasium Wolfen)


Donnerstag, 5.11. 10.00 Uhr
Solo Sunny (DEFA 1980)

Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase, Kamera: Eberhard Geick, Musik: Günther Fischer, Darsteller: Renate Krößner, Alexander Lang, Klaus Brasch, Dieter Montag, Heide Kipp

Sunny ist eine Berliner Schlagersängerin, die mit ihrer Band durch Dörfer und Kleinstädte tourt. Sie sehnt sich nach Anerkennung und der großen Liebe. Diese glaubt sie in Ralph, einem Philosophen, gefunden zu haben. Aber Ralph erwidert ihre tiefen Gefühle nicht. Der Taxifahrer Harry, der Sunny anhimmelt, ist finanziell sehr gut gestellt und könnte ihr ein bequemes Leben bieten, aber für sie ist er nicht der Richtige. Während einer Tournee muss sie sich ständig den Nachstellungen des Musikers Norbert erwehren. Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit ihm fliegt sie aus der Band.

„Ein sehenswerter Film über die Identitätsprobleme der Jugend nicht nur in der DDR; differenziert in der Charakterzeichnung, mit treffsicheren Dialogen, heiter und leicht inszeniert. Zugleich ein mutiges Plädoyer gegen gesellschaftliche Bevormundung, für Individualität und den eigenen Weg durchs Leben.“ ( Lexikon des internationalen Films)

Gesprächspartner: Hans-Eckardt Wenzel (Liedermacher und Autor des Buches "Konrad Wolf - Chronist im Jahrhundert der Extreme")

Schülerveranstaltung (Ort : Europagymnasium Walther Rathenau Bitterfeld)

18.00 Uhr
Goya oder der arge Weg der Erkenntnis (DEFA 1971)

Regie: Konrad Wolf, Drehbuch: Angel Wagenstein, Darsteller: Donatas Banionis, Olivera Katarina, Fred Düren, Rolf Hoppe, Ernst Busch, Wolfgang Kieling, Martin Flörchinger, Arno Wyszniewsi, Tatjana Lolowa

Ausgehend von der literarischen Vorlage, dem Roman von Lion Feuchtwanger zeichnet Regisseur Konrad Wolf ein politisches Sittenbild des Künstlers Goya. Als Hofmaler Karls IV. von Spanien ist Don Francisco de Goya Lucientes zu Ansehen und Wohlstand gekommen. Seine Gemälde zieren die Galerien der Schlösser. Er glaubt an den König und die Kirche, genießt seine Stellung bei Hofe. Doch er ist durch und durch Spanier und liebt das Volk. Dieser Widerspruch bringt ihn auf den "argen Weg der Erkenntnis". Je weiter er in das Leben des Volkes eindringt, daraus Motive für seine Kunst schöpft, desto größer wird seine innere Pein angesichts der Zustände im Land. Seine Kunst wird zum adäquaten Ausdruck der revolutionären Bewegung des Volkes.
Konrad Wolf verpflichtete für seinen Film Schauspieler aus sieben Ländern. Goya wird vom litauischen Schauspieler Donatas Banionis hervorragend dargestellt. 120 Gemälde und Originalgrafiken Goyas wurden in die Handlung und Dekoration des Films einbezogen.

Gesprächspartner: Hans-Eckardt Wenzel (Liedermacher und Autor des Buches "Konrad Wolf - Chronist im Jahrhundert der Extreme")

Veranstaltungspartner und Förderer: Friedrich-Wolf-Gesellschaft e.V., Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt, Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Stadt Bitterfeld-Wolfen, Kulturforum Rosa-Luxemburg-Stiftung, Wohnstättengenossenschaft Bitterfeld-Wolfen, ORWO Net GmbH, Tageszeitung nd und DEFA-Stiftung.

Wo?

Städtisches Kulturhaus Bitterfeld-Wolfen
Rathausplatz 1
06766 Bitterfeld-Wolfen / OT Wolfen