Sa, 16. 03. 2019, 17:30 - So, 17. 03. 2019, 19:30, Berlin

Feminism is Class War

Wer sind »die Klassen« von heute? Und wer fühlt sich »der Arbeiterklasse« zugehörig? Kohlekumpels aus der Lausitz, von der Digitalisierung bedrohte Industriearbeiter, die DHL-Botin oder Pflegekräfte in den modernen Krankenhauskonzernen? Klasse ist in permanenter Veränderung und war dies schon immer. Alte Milieus sind in Auflösung begriffen, neue entstehen. Nicht zuletzt spielen sich zahlreiche Klassenkämpfe nicht nur in der Produktion ab, sondern auch im Bereich der Reproduktion, wie soziale Infrastrukturen der Pflege und Sorgearbeit, dem Wohnen oder lebenswerten Stadträumen. Derzeit vermehren sich wieder Debatten um eine »neue Klassenpolitik« - eine Forderung im marxistischen Sinne, die die Interessen der Lohnabhängigen und sozial Abgehängten ernst nehmen soll. Doch nicht nur das: eine neue Klassenpolitik sollte Antirassismus, Feminismus und Anerkennungskämpfe nicht als zweitrangig erklären, sondern mitdenken. Unter diesen veränderten Bedingungen muss »Klasse« neu gedacht werden. Doch wie gelingt das?
Gerade der Zusammenhang zwischen Geschlecht und Klasse wurde lange ignoriert. »Die Frauen- und die Arbeiterbewegung blicken auf eine wechselseitige Geschichte aus Allianzen, verpassten Gelegenheiten, offener Feindseligkeit, Annäherung und Entfremdung zurück« schreibt Cinzia Arruzza. In der frühen Sozialdemokratie wurde über August Bebels »Die Frau und der Sozialismus« lebhaft diskutiert. Bis heute ist das Verhältnis nicht endgültig geklärt. Wenn Arbeiter*innen Geschlechterungerechtigkeiten abtun und Feminist*innen den Blick verlieren für die fundamentalen Zwänge der Lohnarbeitenden im Kapitalismus, so entgeht beiden eine wirkungsvolle Synthese. Übrig bleiben zwei politische Bewegungen ohne Richtung, ohne konkrete Handlungs- und Widerstandsformen und Schlagkraft.
Daher brauchen wir einen Feminismus (der doch mehr ist als eine Theorie der Geschlechtlichkeit) und eine Klassenpolitik (die mehr ist als eine Theorie der Klassen), die zusammen agieren.
Die Konferenz will einen Beitrag dazu leisten, Theoretiker*innen und Praktiker*innen aus feministischen und Kämpfen gegen Ausbeutung ins Gespräch zu bringen und diesen für konkrete linksradikale Politik fruchtbar zu machen.

Programm

Samstag, 16.3.2019
17:30–17:45 Uhr: Ankommen
17:45–18:00 Uhr: Begrüßung
18:00–21:00 Uhr: Podiumsgespräch und Diskussion
Klasse. Geschlecht. Revolution.
Mit: Bafta Sarbo (Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. - ISD Bund), Ines Schwerdtner (Ada-Magazin), Eva von Redecker (HU Berlin)
Moderation: TOP B3rlin
Eintritt: 2,00 Euro
Abendprogramm: feministischer Tresen

Sonntag, 17.3.2019
13:30–15:00 Uhr: parallele Workshop
Was sagt die Wissenschaft?
Workshop1: Fiona Kalkstein (Uni Göttingen): Materialismus und Intersektionalität
Workshop 2: Mike Laufenberg (TU Berlin): Queere Klassenpolitik
15:15–16:45 Uhr: parallele Workshops
Konkrete soziale Kämpfe
Workshop 3: Lily Schön (HTW Berlin): Frauenstreik als Aktionsform
Workshop 4: Lisa Bor: Arbeitsbedingungen bei Helpling
Workshop 5: Deutsche Wohnen Enteignen
Workshop 6: Stadtteilarbeit als verbindende Klassenpolitik
16:45–17:15 Pause
17:15 – 19:30 Uhr: Präsentation & Diskussion der Workshops
Was bleibt und wie weiter?
Abschlussveranstaltung:
Klasse: feministisch, antirassistisch und transnational

Input: Thesen von TOP B3rlin
Kommentare von:
- Basisgruppe Antifaschismus (Bremen)
- Alpha Kappa (Griechenland)
- Plan C (Großbritannien)

 

Wo?

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin