11.07.2016
Marco Christian Wiese (MaC)
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Niemand ist vergessen!

Keine Verklärung rechter Gewalt zulassen

Gedenken an Emil Wendland im Neuruppiner Rosengarten
Fehrbellin

Für Betroffene rechter Gewalt ebenso wie für diejenigen, die sich in antifaschistischen Themenfeldern engagieren, galt die Aufdeckung der neonazistischen Terrorgruppe NSU und ihrer Taten bedauernswerter Weise nur als der sprichwörtliche Gipfel des Eisberges.

Was sich unter der Oberfläche offizieller Statistiken an rechten Gewalttaten gegen Menschen verbirgt, sind für die Opfer nicht nur Ziffern, sondern Schicksale. Dunkel erscheinen hier vor allem die menschenverachtenden Taten, die in tiefe Abgründe blicken lassen. Nicht sehr erhellend ist auch die Differenz von 75 durch die Bundesregierung »anerkannten« zu 178 von der Amadeu Antonio Stiftung gezählten Todesopfern seit 1990.

Ein Teil erklärt sich statistisch darin, dass Wohnungslose als Opfergruppe rechter Gewalt kaum Beachtung finden. Menschlich lässt sich hingegen nur sehr schwer verstehen, warum zum Beispiel der Neuruppiner Emil Wendland in der Nacht zum 1. Juli vor 24 Jahren sterben musste. Zu jenem Zeitpunkt obdachlos und rückfällig alkoholkrank, wollte der einstige Lehrer und Verkaufsstellenleiter im Rosengarten, direkt neben dem zentralen Schulplatz in Neuruppin, vermutlich auf einer Bank übernachten, als er von drei (Neo)nazis überfallen und brutal zusammengeschlagen wurde. Diese hatten sich zuvor gemeinsam in einer Wohnung an Alkohol und Rechtsrock berauscht. Nachdem sie Emil mit Tritten und Schlägen weckten, schlugen sie ihm unter anderem eine Bierflasche auf den Kopf. Als die Tätergruppe dabei war, den Ort zu verlassen, kehrte einer von ihnen um und ermordete das wehrlose Opfer durch mehrere Messerstiche.

Am Samstag, dem 2. Juli 2016, hielten gut drei Dutzend TeilnehmerInnen die Erinnerung an Emil wach und gedachten seiner. Mit Blick auf alle Todesopfer rechter Gewalt und die erneute Zunahme von Menschenfeindlichkeit wurde in den Redebeiträgen des Bürgermeisters, des JWP MittenDrin, der Antifa Jugend Brandenburg und der LINKEN gemahnt und betont, dass sich den Verklärungsversuchen seitens der neofaschistischen Szenerie weiterhin entschlossen entgegengestellt werden müsse.

Nach einer Schweigeminute wurden an der Gedenktafel im Rosengarten Blumen für Emil Wendland niedergelegt, der erst nach 21 Jahren seitens der Behörden als Opfer rechter Gewalt anerkannt worden ist.