22.06.2016
Ronny Kretschmer
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Ein Schandfleck verschwindet

Spannende Entwicklung im Neuruppiner Seetorviertel

Nur für Gutbetuchte?
Neuruppin

Die letzte Stadtverordnetenversammlung der Fontanestadt am 23. Mai hatte eine erstaunlich kurze Tagesordnung. Noch erstaunlicher war, dass diese nicht für endlose Debatten missbraucht wurde und die Sitzung nach kurzer Dauer endete.

Spannender war da schon die vorangegangene Sitzung des Stadtparlamentes. Dort wurden die Pläne zur Entwicklung des Neuruppiner Seetorviertels vorgestellt. Diese Industriebrache direkt am Ruppiner See und neben dem Resort Mark Brandenburg gelegen, harrt schon allzu lange Zeit auf eine Entwicklung. Eigentlich ein Filetstück, im Eingangsbereich der Stadt gelegen, verkamen diese Grundstücke zu einem wahren Schandfleck.

Nun endlich scheinen sich Investoren, die Betreiber des Resorts und die Behörden geeinigt zu haben und legten den Stadtverordneten einen Rahmenplan für das Seetorviertel vor. Vorgesehen ist eine Erweiterung des Resort Mark Brandenburg mit weiteren Hotelbetten, Service- und Wellnesseinrichtungen, die Weiterführung des Uferwanderweges, die Errichtung einer Seniorenresidenz und nicht zuletzt die Wohnbebauung mit Ladenzeilen. Der Bereich von den Seedammbrücken bis zum Eingangsbereich der Steinstraße soll ebenfalls mit Wohnhäusern bebaut werden. Mehrere hundert neue Wohnungen könnten entstehen. Die Stadt selber bringt ebenfalls Grundstücke ein und will diese für die Wohnbebauung veräußern.

Sozialer Wohnungsbau wird benötigt

An diesem Vorhaben endzündete sich eine Diskussion, die von der LINKEN-Fraktion im Stadtparlament angeschoben wurde. Gefordert wurde, dass nicht nur Wohnungen im Hochpreis-Segment entstehen, sondern auch Wohnungen gebaut werden, die mit einem Wohnberechtigungsschein bezogen werden können. In Neuruppin fehlt bezahlbarer Wohnraum (Sozialwohnungen). Eine soziale »Durchmischung« des neuen Wohnquartiers müsse im Interesse der Stadt liegen, so die Argumentation der Fraktion. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft NWG sollte das realisieren können.

Dieser Vorschlag löste kontroverse Debatten aus. Während die Fraktion Grüne/Bauernverband diesen begrüßte, argumentierte die CDU/FDP-Fraktion, dass Sozialwohnungen in diesem neuen Stadtgebiet nicht notwendig seien und ausschließlich Wohnraum für Gutbetuchte geschaffen werden sollte.

In einer Einwohnerversammlung im Mai, in der das Vorhaben einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt wurde, griffen verschiedene Diskussionsteilnehmer den Vorschlag der LINKEN auf. Auch sie forderten den sozialen Wohnungsbau. Diese Debatte wird in den kommenden Monaten weiter verfolgt werden, spätestens, wenn konkrete Bebauungspläne vorgelegt werden oder der Verkauf der städtischen Grundstücke im Seetorviertel anstehen.

DIE LINKE in der Stadtverordnetenversammlung Neuruppin wird jedenfalls nicht locker lassen und für ihren Vorschlag werben.