22.06.2016
Jasmin Wölfel
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Gedanken einer 17-jährigen

Einmal hat auch die Natur genug, und dann?
Neuruppin

Jasmin, ein sehr naturliebender und sozialer Mensch, setzte sich nach einem ereignisreichen Tag unter einen Baum und sinnierte über den Sinn des Lebens, über Umweltzerstörung und die Zukunft der Menschheit. Sie nahm sich ein Blatt Papier und einen Bleistift und schrieb die nachfolgenden Gedanken auf.

Man sagt: »Liebe deinen Nächsten«, so steht es in der Bibel geschrieben. Eine Art Verfassung für jene Gläubige, die doch tatsächlich erhoffen, dass eines Tages Gott höchstpersönlich über sie richtet. Vielleicht lässt er sie passieren, in sein Reich treten, aus Angst zu vereinsamen. Doch ob ihr schändliches Leben wirklich von dem geprägt war, wie es hätte sein sollen? Begleitet von High-Tech-Waren, mit Inhalten stammend aus armen, halb vermagerten Kinderhänden, beschmutzt von ihrem unmenschlich erzeugten Schweiß. Aus Verzweiflung, da die Armut sie dazu zwingt. Oder schönen Discounter-Jeans. Hergestellt aus krebserregenden Farbstoffen, für die manche am Rande des Überlebens arbeitenden Mitarbeiter mit ihrem Leben bezahlen mussten? All diese Gläubigen leben ebenso schändlich wie die Nicht-Gläubigen. Denn wir leben in einer Konsumgesellschaft. Produzieren ohne nachzudenken! Kann man es als Nächstenliebe bezeichnen, mit unseren Autos umher zu fahren, das Klima zu zerstören? Mehr Spezies an die Grenze des Aussterbens zu drängen und unsere Erde, unsere Heimat zu vermüllen und auszubeuten?

Menschen streben danach, in Erinnerung behalten zu werden. Das werden wir auch. Spätestens dann, wenn unsere Urenkel vor den Scherben des menschlichen Erfolgs stehen. Weinend, weil es nicht genügend Ressourcen gibt. Klagend, weil sie die Welt nie mehr so sehen werden - wie du und ich in der Natur im kühlen Wasser zu baden. All das werden wir ihnen verwehren.

Unser Lebensstandard hat sich verändert. Kinder sind nicht mehr zufrieden, wenn man ihnen einen Bonbon schenkt. Stattdessen verziehen sie das Gesicht und sagen: »Ich will die ganze Tüte!«. Früher waren es die kleinen Dinge, die uns faszinierten und glücklich machten. Sternenklare Himmelszelte, der erste Schmetterling im Frühling oder kostbare Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen, doch all diese Werte gehen verloren. Wir werden blind und taub. Und was wir hinterlassen, sind kantige unebene Trümmer, auf denen unsere Nachfahren ihre Fundamente erbauen. Zu wacklig, um es bis nach oben zu schaffen. Zu düster, um zu sehen, worauf sie hinsteuern.

Mit schlechten Sinnen geboren, von uns vererbt. Zu verzogen, um zu erkennen, dass es an der Zeit ist, Hörgeräte und Brillen für die Menschheit zu entwickeln. Zu blind…… Doch wir haben es schön.