30.05.2016
Dr. Gabriele Hiller (MdA)
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Jeder Tag ist Frauenkampftag!

Marzahn-Hellersdorf

Im Umfeld des 8. März fanden viele Veranstaltungen in Berlin und auch im Bezirk statt. Wie alljährlich habe ich versucht an vielen teilzunehmen. Nicht, weil ich Feiern von Frauen so umwerfend finde, sondern um gemeinsam mit anderen Frauen Kraft zu tanken, Ideen zu diskutieren und Gemeinsamkeit zu zeigen.
Unsere Fraktion im Abgeordnetenhaus hatte bereits am Freitag zuvor in ein kultiges Lokal am Cottbusser Tor eingeladen, mit afrikanischer Musik und guten Gesprächen. Im Anschluss daran lud gleich noch die Bundespartei zur Verleihung des Clara-Zetkin-Preises ein. Da waren Frauen aus allen Teilen der Gesellschaft da und mittenmang junge, alternative Feministinnen. Höhepunkt an dem Abend war für mich eine hippe Berliner Mädchenband „Die toten Crackhuren aus dem Kofferraum“. Schaut Euch unbedingt mal diese Gruppe auf YouTube an. Wie gern würde ich die jungen, kritischen, witzigen Frauen mal auf einer unserer Veranstaltungen im Bezirk haben!
Doch mein Frauen-Kampf-Programm ging noch weiter. Am Sonntag war ich Teilnehmerin der Frauenkampfdemonstration in Mitte. Da ging die Post ab, es war ein wunderbar kämpferischer Termin mit Frauen und auch Männern aus feministischen und linken Gruppen, Verbänden und Initiativen. Da hab ich dann doch meine Hellersdorfer/Marzahner Freundinnen vermisst, wo wart Ihr, warum habt Ihr das verpasst? Zum Glück haben wir uns dann zwei Tage später doch noch gefunden: In Hellers-dorf, am 8. März im Kino Kiste, bei einem fröhlichen, aber auch provozierenden Film und einem danach folgenden Gespräch bei Kaffee und Kuchen. Es waren auch Frauen da, die sonst nicht bei uns sind, und die gern mit uns über ihren Alltag in unserem Bezirk sprechen wollten. Auch Petra Pau war dabei, es war für alle anregend. Und dann später, zum Abschluss, trafen wir uns traditionell in Marzahn: Am Clara-Zetkin-Denkmal legten wir Blumen nieder und jede der anwesenden Frauen konnte ihre Gedanken zum Tag ausdrücken. Ich finde es gut, wie unkompliziert und dennoch würdig dieses Gedenken läuft. Wir sind auch immer mehr an diesem Ort geworden, und zum Glück sind es nicht nur Frauen, die da sind.
Es ist heute noch notwendiger geworden, sich stärker auf den frauen-emanzipatorischen Kampf zu besinnen. Forderungen der AfD wie die nach der Stärkung der traditionellen Familie und Ehe (soll es Zwangshochzeiten geben?), Abschaffung des Rechts auf Abtreibung oder auch die Propagierung der Drei-Kinder-Familie wirken doch in unserer Zeit völlig überholt und absurd. Und dennoch hat die AfD ein Wähler*innenpotenzial von über 20 %! Erschreckend! Frauen, Mädchen, wisst ihr nicht, was ihr tut? Schaut hin, wen ihr da wählt!
Aber auch DIE LINKE muss sich meiner Meinung nach wieder stärker auf ihre feministischen Wurzeln besinnen. Nichts ist selbstverständlich, nichts wird uns geschenkt! Da genügt nicht Rhetorik. Und auch wenn Frauen in der Linken strukturell und organisatorisch Gleichwertigkeit erreicht haben, ist doch manches in unserem Alltag noch immer männerdominiert. Also Frauen und Mädchen, auf, auf zum Kampf... Nicht nur am Frauentag!