30.05.2016
Gudrun Benser
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Wie schaffen wir das?

Nur wenn viele Einheimische persönliche Kontakte zu Flüchtlingen aufnehmen!

Osaima mit zwei Kindern und Aziza aus Syrien zu Gast bei Familie Benser.
Marzahn-Hellersdorf

Nähe baut Ängste ab. Selbst wenn alle staatlichen Maßnahmen vorbildlich laufen würden, brauchen wir zur Integration das Persönliche.

Von einer alten Schulfreundin in Premnitz/Land Brandenburg weiß ich, dass sie sich um eine Familie kümmert, die im März eine Wohnung in ihrem Miethaus zugewiesen bekam. Die Familie hat drei Kinder und stammt aus Afghanistan. Meine Bekannte erklärt ihnen z.B. wie es mit der Hausordnung langgeht, während andere Mieter nur meckern, wenn es mal zu laut ist.

Wir hatten zu Ostern Osaima mit zwei Kindern und Aziza aus Syrien zum Kaffeetrinken eingeladen. Sie hausen in der Turnhalle Rudolf-Leonhard-Straße in Marzahn in unserer Nähe. Osaima lernte ich im November 2015 kennen. Wir sortierten in der Kleiderkammer gemeinsam Berge von Sachen. Seit Februar übe ich einmal in der Woche, meist mit Kindern, Deutsch. Osaima nimmt mit ihren Kindern daran teil. Aber auch ohne direkt Helfer zu sein, kann persönlicher Kontakt über die Heimleitung organisiert werden. Oder auch ganz direkt auf dem gemeinsamen Spielplatz im Wohngebiet kann man Verbindung aufnehmen.

Freilich muss man über den eigenen Schatten springen. Man muss sich einen Ruck geben.

Ich kann dazu nur ermutigen. Der Osterbesuch bei uns verlief sehr harmonisch, und alle haben sich gefreut.

Osaima wollte zum Schluß gleich das Geschirr abwaschen. Unter Hinweis auf unsere Spülmschine ließ sie sich davon abbringen.