01.11.2015
Dr. Uta Sändig
Erschienen in: HavelBrandung (DIE LINKE.Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, Brandenburg)

Filet-Stück oder Oh-weh-Stück?

Wie weiter mit dem Packhofgelände?

Kaum ist die BUGA Geschichte, werden die Millionenverluste schöngeredet, gar zu Erfolgen uminterpretiert. Die Infrastruktur der Havelstadt habe mächtig profitiert, heißt es (stimmt sogar), die starre Gestaltung der Eintrittspreise – Stichwort Fünferpack – sei alternativlos gewesen, um keinen BUGA-Standort zu benachteiligen (eine unbewiesene Behauptung), genauere Bilanz-Zahlen könne man noch immer nicht nennen (wie bitte?) und die Stadt Brandenburg habe ihre Potenzen als Touristenmagnet kräftig entfaltet (na ja). Wenn jetzt allerdings Erklärungen aus der Westentasche gezaubert werden, die die weitere Stadtentwicklung in Richtung Touristenhochburg zum Königinnenweg erklären, ist Skepsis geboten.

Noch sind die Spuren der BUGA am Packhof zu sehen

Stichwort Packhof: Es gibt, als Ergebnis von mehreren Architekturwettbewerben, Bebauungspläne, die von der SVV und ihren Fachausschüssen als allgemeiner Konsens gebilligt wurden. Kleinteilige, hochwertige Wohnbebauung mit Miet- und Eigentumswohnungen (wenn es allein nach mir ginge, könnte ich mir dort auch preiswerte Wohnungen für weniger Betuchte vorstellen). Vielleicht sollte man außerdem noch ein bescheidenes Hotel unterbringen, brachte die OB im Sommer auf einer gemeinsamen Sitzung des Stadtentwicklungs- mit dem Denkmalausschuss ins Gespräch. Die Beteiligten reagierten skeptisch und sind mittlerweile mehrheitlich alarmiert: Jetzt soll es nach dem Willen der OB ein großes Kongresshotel werden. Damit wäre der Packhof tot. Schon der StWB-Bürotrakt wurde mehr oder weniger hinter dem Rücken der Stadtverordneten durchgesetzt; die diskutierten noch über Museumspläne für die Werfthalle, als das Stadtwerke-Nobelressort mit Havelblick schon beschlossene Sache war. Nun also soll noch eine Hotelanlage mit Wellnessbereich, Lieferwegen und Parkplätzen hinzukommen. Wer will dann noch am Uferweg entlang über das Gelände streifen? Welche Kinder würden den neu erbauten Spielplatz nutzen? Man sehe sich Frankfurt am Main an, wo ganze Stadtviertel als Büro- und Hotelwüsten steril vor sich hin dämmern. Übrigens kann sich auch der Beigeordnete Brandt mit diesen Plänen bislang nicht anfreunden und geht damit nicht zum ersten Mal auf Distanz zu seiner Oberbürgermeisterin. Dabei ist doch die Begründung für die aktuellen Hotelträume so was von einleuchtend: Hätten wir dieses Hotel schon zur BUGA gehabt, wäre die fehlende halbe Million Besucher garantiert nach Brandenburg gekommen. Wer's glaubt...