01.11.2015
Andrea Johlige
Erschienen in: HavelBrandung (DIE LINKE.Brandenburg an der Havel, Brandenburg an der Havel, Brandenburg)

Wenn Hass gesellschaftsfähig wird

Und was man dagegen tun kann

Grafik - Klaus Stuttmann

Längst wird unverhohlen von Geflüchteten als “Viehzeug” gesprochen, werden PolitikerInnen als “Volksverräter” betitelt und sind Medien nur noch “Lügenpresse”. Diese Rhetorik erinnert an sehr dunkle Zeiten. Und auch das, was daraus erwächst, denn Sprache beeinflusst das Denken, den politischen Diskurs und eben auch die Stimmung in der Bevölkerung. Ein Jahr Pegida hat, assistiert von AfD, NPD & Co, zur Verrohung der politischen Kultur geführt.

Hass salonfähig gemacht
Es ist offensichtlich, dass der Hass des Wortes zum Hass der Straße führt - und schließlich zur Tat. Diese Taten gibt es seit Monaten.Brennende geplante und bestehende lüchtlingsunterkünfte,
wie im August in Nauen, sind scheinbar Alltag geworden. Zwar war die Zivilgesellschaft
entsetzt und es gab viel Solidarität. Und doch ist da die schweigende Mehrheit, die sich nicht positioniert. Eine neue Eskalationsstufe ist mit dem Mordanschlag auf die Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker erreicht worden. Nach über einem Jahr Hetze und Hass ist die Hemmschwelle so weit gesunken, dass auch politischer Mord Mittel einer
gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu werden droht. Egal, wie man Pegida charakterisieren
möchte, diese “Bewegung” ist durchaus erfolgreich. Es ist egal, wie viele Menschen sie noch auf
die Straße bekommen. Fakt ist, diese “Bewegung” ist erfolgreich, weil sie dieses Land verändert hat, weil sie Hass salonfähig gemacht hat.

Zivilgesellschaft macht den besten Job
Politik hat selbst einen Anteil daran, dass dieser Hass gesellschaftsfähig geworden ist. Statt klarer Ächtung hat erst vor kurzem ein offizielles Treffen eines SPD-Landrates mit den HetzerInnen der AfD im Brandenburger Landtag stattgefunden. Und statt klarer Ablehnung der Positionen sehen wir Zugeständnisse, die Übernahme von Inhalten und die Umsetzung in praktische Politik, wie Anfang Oktober durch die Asylrechtsverschärfungen geschehen. Die Zivilgesellschaft macht aktuell den besten Job. Sie handelt und hilft, wo nötig, springt ein, wenn staatliches Handeln nicht ausreicht, stellt sich mutig Pegida und Nazis aller Couleur entgegen.
Sie verteidigt die Grundfeste unseres Zusammenlebens und tut einfach das Richtige. Sie zeigt damit auch der Politik den zu beschreitenden Weg. Die Zivilgesellschaft vermittelt und lebt Werte wie Solidarität, Weltoffenheit und Toleranz.
Ich bin der festen Überzeugung, dem Hass und der Verrohung kann man nur Menschlichkeit und Solidarität im Denken, im Reden und im Handeln entgegen setzen.