22.05.2016
Robert Linke
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Unsere klare Forderung: Macht endlich Schluss mit "So geht sächsisch!"

Die Standortkampagne „So geht Sächsisch“ wurde im Jahr 2013 von der damaligen CDU/FDP-Regierung ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe sollte darin bestehen, die Bekanntheit und Attraktivität im In- und Ausland zu erhöhen. Vor allem in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Tourismus, Kultur und Sport soll sich der Freistaat einen Namen als Qualitätsgarant machen. Für die Umsetzung dieser Pläne stellte der Freistaat Sachsen 32 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Gelder sollen über einen Zeitraum von vier Jahren im Rahmen der Kampagne investiert werden. So viel Geld hat zuvor noch keine Imagekampagne eines Bundeslandes erhalten.

Ein zentraler Kritikpunkt ist das schwache inhaltliche Konzept. So finden sich auf der Website der Kampagne Slogans wie „Die Sachsen: ein Volk der Macher. Ihre Mentalität: Nicht lange reden, sonder Anpacken.“ Im aktuellen Kontext der Gewalteskalation durch Rechtsradikale in Sachsen, wird deutlich wie beliebig dieser Werbespruch oder auch der Titel der Kampagne interpretiert werden können. So finden sich im Internet zahlreiche Bildmontagen von brennenden Wohnheimen, unterschrieben mit „So geht sächsisch“. Zwar erreicht Sachsen damit im In- und Ausland seit einiger Zeit sehr große Aufmerksamkeit, ganz so wie es auch in der Zielsetzung formuliert wurde. Doch das Bild dass dort von Sachsen gezeichnet wird, entspricht wohl kaum dem Angestrebten.

Die Initiatoren der Werbekampagne haben sich das sicherlich nicht so vorgestellt. Auch die SPD, die sich zusammen mit der CDU im Koalitionsvertrag darauf geeinigt hat die „erfolgreiche Kampagne“ weiterzuführen, beginnt langsam Abstand von dieser zu nehmen. So beschreibt der aktuelle sächsischen Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) in einem Interview auf der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin sie mit den Worten:"Die Kampagne ist, höflich gesagt, zur Karikatur geraten, sie ist tot."

Die Fraktion der Linken im Sächsischen Landtag übt schon seit längerer Zeit Kritik an „So geht sächsisch“. Denn die Kampagne wartet nicht nur inhaltlich mit großen großen Mängeln auf. So sind, neben dem fehlenden roten Faden und der allgemeinen Inhaltsleere, auch strukturelle Mängel der Kampagne bekannt. Der Kreisvorsitzende, der Linken in Mittelsachsen, Falk Neubert hat bereits vor der nun allgemein einsetzenden Kritik , seine Zweifel geäußert. Er machte darauf aufmerksam, dass bereits 2013 der Fachbeirat der Kampagne aufgelöst wurde. Seine Aufgabe bestand darin, die Arbeit der Kampagne kontinuierlich zu begleiten, Schwerpunkte zu diskutieren und diese festzulegen. Anstelle des Fachbeirats gibt es nun Netzwerktreffen mit den sächsischen Tourismusverbänden. Aus einer kleinen Anfrage Neuberts im Landtag geht hervor dass diese Treffen lediglich dem Austausch zwischen und mit den sächsischen Tourismusverbänden dient und dort keine Entscheidungen getroffen werden die sich mit „So geht sächsisch“ beschäftigen. Somit liegt die inhaltliche Ausrichtung und Gestaltung in den Händen der sächsischen Staatskanzlei. Dort entscheiden zwei Mitarbeiten in allen Belangen der Kampagne.

Aufgrund dieser Unzulänglichkeiten der sächsischen Imgage-Kampagne „So geht sächsisch“ ist sie obsolet und sollte darum eingestellt werden. Die frei werdenden Gelder sind eine Chance den aktuellen gesellschaftlichen Problemen angemessen zu begegnen und einer weiteren Verschärfung dieser vorzubeugen. „So geht sächsisch“ wirft einen Schleier über die sächsischen Verhältnisse und konstruiert ein Bild von Sachsen das so nicht existiert.

Kein Wort über den rechten Konsens in vielen Regionen, kein Wort über die Drogenproblematik, kein Wort über die zu geringen Einkommen vieler und auch kein Wort über die schlechte Situation der Geflüchteten in ganz Sachsen.

Hinweis

Die gesamte April-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/104.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .