09.05.2016
Marco Christian Wiese (MaC)
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Kuba - Aufbruch oder Abbruch?

Fehrbellin
Volker Hermsdorf - Kuba-Kenner und Optimist

Ob es um die Annäherung der Obama-Administration bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Handelsblockade (u.a. auch durch die BRD), der anhaltenden Problemlage im Agrarbereich, einer Beurteilung der Menschenrechtssituation, den jüngst abgehaltenen Parteitag oder die sozialistische Perspektive geht - die Entwicklungen in Kuba stoßen auf reges Interesse. Dem zuvor jahrelang anhaltendem Desinteresse der hiesigen Mainstream-Medien zu den Prozessen des karibischen Inselstaates zum Trotz, veröffentlichte der linke Publizist Volker Hermsdorf zu Beginn des Jahres erneut ein Buch, dass sich mit obiger Fragestellung auseinandersetzt.


Am 21. April füllten gut drei Dutzend Interessierte und Kuba-FreundInnen den Tagungsraum im Café Tempelgarten, um mit dem Autor und einem seiner drei Gesprächspartner im Buch, Klaus Eichner, ins Gespräch zu kommen. Während der spannenden Ausführungen über den persönlichen Zugang und die konzeptionelle Herangehensweise an das Thema, kam die Einschätzung der beiden Gäste zum Tragen, dass sich nicht zuletzt aus den offiziellen Presseerklärungen der US-Regierung weiterhin ein imperialistisches Interesse bezüglich der »zaghaften Annäherung« ableiten lasse. Dieser Gefahr würden aber viele kubanische »Talente« gegenüberstehen, die sehr gut darin seien, entsprechende Analysen und Abwehrstrategien zu entwickeln.


Nicht zu unterschätzen seien mit Hinblick auf Kubas weiteren »Weg zum Sozialismus« der in der jüngeren Generation geringer verbreitete »Geist der Revolution«. Dank eines sehr guten Bildungssystems und der Abwesenheit eines Kalten Krieges zwischen globalen Blöcken, sei hier zum einen die Bereitschaft geringer, sich im weniger qualifizierten Agrarsektor verdient zu machen. Obwohl gerade hier nach dem Zusammenbruch des »Ostblocks« mehr Einsatz nötig wäre, um dem seit fünf Jahrhunderten kultivierten Drang nach Unabhängigkeit, Souveränität und Würde gerecht zu werden. Zum anderen würden dadurch »moderne Bedürfnisse« nach digitalen Gütern und Arbeitsplätzen vordergründiger werden. Ein kulturelles Generationsproblem, für dessen Verständnis die kubanische Parteiführung auch bereits Hans Modrow nach seinen Erfahrungen in der Wende befragte. So stand dann auch beim VII. Parteitag der Kommunistischen Partei die Jugend und die Verjüngung der Partei neben vier Dokumenten zur zukünftigen Entwicklung Kubas im Zentrum.


Weitere Schlagwörter waren die Zukunft der zwei Währungen im Land, die geopolitische Lage und die defensive Militärdoktrin eines Partisanenkampfes, eines »Volkskrieges«, vergleichbar mit Vietnam. Ausgehend von Raúl Castros Rede, wonach der Kapitalismus die größten Herausforderungen der heutigen Zeit wie zu viele Waffen, Kriege und völlig unzureichende Ernährung in der Welt - nicht lösen kann, schloss auch die Diskussionsveranstaltung in Neuruppin mit der optimistischen, wenngleich nicht unkritischen Inspiration, dass alternative Gesellschaftsmodelle möglich und nötig sind.