15.04.2016
Falk Neubert
Erschienen in: KONKRETer (Kyffhäuserkreis, Thüringen)

Gemeinsame Waldbegehung auf dem Possen

Kyffhäuserkreis

Dr. Iris Martin-Gehl nahm am vergangenen Freitag an einer Waldbegehung auf dem Possen teil. Eingeladen hatte die Bürgerinitiative "Pro Kyffhäuserwald" um Sprecher Dirk Trute zusammen mit der Landtagsabgeordneten Babett Pfefferlein. Vertreter von Thüringen Forst, Mitglieder der Bürgerinitiative sowie weitere Abgeordnete der regierungstragenden Parteien nahmen an der Veranstaltung teil.

Ziel der Bürgerinitiative war und ist es, den ihrer Meinung nach problematischen Zustand des Waldes vor Augen zu führen und Ihrem Vorhaben Nachdruck zu verleihen, ca. 1.000 ha des Waldes aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herauszunehmen. Es gehe bei der Waldbesichtigung nicht ausschließlich um eine Anklage der Arbeitsweise von Thüringen Forst, so Dirk Trute. Man wolle vielmehr mit der Forstverwaltung zusammenarbeiten und gemeinsam über mögliche Veränderungen der Waldnutzung beraten.

Hintergrund der Forderung, 1.000 ha aus der forstwirtschaftlichen Nutzung heraus zu nehmen, ist der bestehende Koalitionsvertrag sowie eine Regierungserklärung der amtierenden Landesregierung. Darin ist vorgesehen insgesamt 25.000 ha des Waldes in Thüringen der forstwirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Auch ein großflächiges Areal auf dem Possen wird darin explizit genannt. Das von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Waldstück würde dabei gut in das bereits bestehende Naherholungsgebiet sowie existierende FFH- und Vogelschutzgebiete integriert werden können.

Konfrontiert mit dem Zustand eines ausgewählten Waldstückes, erklärte Dr. Andreas Niephagen von Thüringen Forst die Umstände, Hintergründe und Arbeitsweisen der heutigen Forstwirtschaft. Es werden bewusst heruntergefallene oder abgesägt Äste nicht entfernt. Der Wald solle nicht gekehrt aussehen, da dieses Bruchholz dem Boden wertvolle Mineralien zurück gebe. Dies sei in einem Naturwald schließlich auch so. Auch befinde man sich noch in einem langen Veränderungsprozess. Noch vor 30 Jahren seien in bestimmten Waldstücken praktisch alle Bäume auf einmal entnommen worden. Heute setzt man vielmehr auf einen stufenweisen Aufbau des Waldes mit großen älteren Bäumen, die einzeln entnommen werden und kleineren nachwachsenden Bäumen. Die veränderte Arbeitsweise werde aber teilweise erst nach Generationen sichtbar.

Über die gewünschte Herausnahme von 1.000 ha aus der Nutzung des Possenwaldes entscheiden letztlich Regierung und Landtag. Frau Dr. Martin-Gehl, die die Interessen sowohl der Sondershausener Bürgerinnen und Bürger als auch von Thüringen Forst und seiner Mitarbeiter im Blick hat, will weiterhin für eine gemeinsam tragbare Lösung in der Frage der zukünftigen Nutzung des Possenwaldes eintreten. Die bisher sehr respektvolle und sachliche Diskussionskultur aller Beteiligten stimmt dabei optimistisch.

Falk Neubert