12.04.2016
Marco Christian Wiese (MaC)
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Auf der Suche nach neuen Wegen

Chancen und Grenzen solidarischer Ökonomie im ländlichen Raum

Workshop-TeilnehmerInnen lernen Plan B der LINKEN kennen
Fehrbellin

Als Trägerin der politischen Bildungsarbeit stehen strategische Analysen und Debatten über Einstiege in eine sozialistische Transformation für die Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg e.V. im Mittelpunkt. Nach der erfolgreichen Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zum 70. Jubiläum der Bodenreform in Kyritz im vergangenen Jahr, konnte am 13. Februar 2016 erneut ein spannendes Forum in der Region Ostprignitz-Ruppin organisiert werden. Anknüpfend und über die Agrar- bzw. Bodenpolitik hinausweisend, waren diesmal die Chancen und Grenzen solidarischer Ökonomie(n) Thema des Tages.

Rund drei Dutzend TeilnehmerInnen folgten den Aufrufen, das gemeinsame Nachdenken über alternatives Wirtschaften an jenem Nachmittag in Neuruppin mitzugestalten. Ob mit konkreten eigenen Projektvorstellungen, weiterführenden Fragen oder aus reinem Interesse an »dem, was es da noch so gibt« - nach einem aufschlussreichen Input der vier kompetenten ReferentInnen wurde sich in den anschließenden Workshops ambitioniert über Wege aus der kapitalistischen Produktionsweise ausgetauscht.

Alternatives Wirtschaften
Angefangen bei den politischen Rahmenbedingungen, welche durch das sozial-ökologische Konzept »Plan B« der Linkspartei (vorgetragen von Andreas Bergmann) seinen parlamentarischen Niederschlag findet und möglicherweise durch selbstorganisatorische Nichtregierungsorganisationen (NGO´s) wie der »Dorfbewegung Brandenburg e.V. - Netzwerk Lebendige Dörfer« (repräsentiert durch Prof. Dr. Kurt Krambach) flankiert werden könnte, wurde sich im gemeinsamen Workshop hauptsächlich mit der Infrastruktur, speziell dem ÖPNV-Angebot in der ländlichen Region, auseinandergesetzt und zweierlei festgestellt.
Zum einen sei der öffentliche Personennahverkehr wahrscheinlich nie im profitorientierten Sinne »wirtschaftlich« zu betreiben. Die Forderung von der LINKEN nach kostenlosem Nahverkehr, die sich am grundlegenden Bedürfnis nach Mobilität orientiert, sei vor Ort allerdings zweitrangig, da primär das erst einmal zu schaffende Angebot von Busverbindungen im Vordergrund stehe - getreu dem Motto: »Was nützt ein kostenloser bzw. günstiger Fahrkartentarif, wenn gar nichts fährt?!«. Zum anderen wurde deutlich, dass im digitalen Zeitalter kurz- und mittelfristig auch nach anderen Lösungen, wie vernetzte Fahrgemeinschaften, gesucht werden müsse. Um diesen und ähnlichen Anliegen nichturbaner Gemeinschaften politisch mehr Stimmgewicht zu verleihen, könnte die Reorganisation von aktiven DörflerInnen in Netzwerken wie der Dorfbewegung erfolgversprechend sein.

Solidarische Ökonomie
Im Gespräch mit der dritten Referentin, Frau Elisabeth Voß aus Berlin, wurde nach einem ersten Erfahrungsaustausch recht schnell die Frage problematisiert, wie Projekte solidarischer Ökonomie erfolgreich weitergeführt und wünschenswerterweise expandiert werden könnten. Es wurde deutlich, welch tragende Rolle eine progressive Politisierung hierbei hat. Die Vernetzung und das solidarische Agieren zwischen zukunftsweisenden Projekten, in welcher Organisationsform auch immer - egal ob Partei, Genossenschaft, gemeinnütziger Verein oder selbstverwalteter Betrieb - müsse die Überwindung der herrschenden Verhältnisse als gemeinsamen Nenner aufweisen. Ansonsten drohe nicht nur das Zurückfallen in kleinbürgerliches Unternehmerdenken, sondern auch die Instrumentalisierung von Rechts.

Bedürfnisorientierte Produktion
Genossenschaften und Politisierung waren auch häufig gefallene Schlagworte im Diskussionskreis um den Aktivisten und Ökonomen Markus Dunkel. Nachdem sich über fundamentale Prinzipien des Kapitalismus verständigt wurde, folgte eine perspektivische Debatte über Arbeitskämpfe und bedürfnissorientierte Produktion im regionalen wie globalen Maßstab. Einige der Erkenntnisse für die TeilnehmerInnen waren die Aktualität des Klassenbegriffes, die Notwendigkeit solidarischer Organisationsformen und das Fazit, dass die an diesem Tag besprochenen Projekte alternativer Ökonomie für sich allein erfolglos zu verpuffen drohen, wenn sie nicht in einen größeren Kontext transformatorischer Kämpfe gestellt werden.


In diesem Sinne arbeitet die Stiftung an Folgeveranstaltungen und einer detaillierteren Broschüre, so dass die Theorie immer auch mit der Praxis einer sozialistischen Transformation einhergeht - auch im ländlichen Raum.