12.04.2016
Georg Albrecht
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Mit Rhythmus und Lebensfreude

Neuruppin bleibt bunt!

Die Rhythmen gingen in die Beine
Holzhausen

Trotz nasskaltem Wetter folgten am 22.2.2016 mehr als 300 Menschen dem Aufruf des Aktionsbündnisses »Neuruppin bleibt bunt«, um auf dem Schulplatz unter dem Motto »Gegen Schießbefehl und Stacheldraht« zu demonstrieren und Flagge gegen die am anderen Ende des Platzes stattfindende AfD-Demo zu zeigen. Mit diesem Motto wurde auf die unmenschlichen Kommentare angespielt, mit denen die AfD-Politikerin Beatrix von Storch eine neue Qualität der Geschmacklosigkeit in der öffentlichen Flüchtlingsdebatte erreicht hat.

Beide Veranstaltungen wurden durch einen breiten Korridor und von grimmig guckenden Polizisten getrennt; das Polizeiaufgebot war übertrieben groß. Während bei der AfD-Kundgebung bis auf einen Herrn, der einen Hitlergruß gezeigt haben soll und deswegen einen Platzverweis erhielt, alle apathisch rumstanden und maximal mal klatschen durften, gab es auf der anderen Seite sehr viel Bewegung. So kam eine kleine Truppe aus dem JWP Mittendrin in Schutzkleidung und Atemschutz und warnte vor der Luftverschmutzung, die von der AfD ausgehe. Viele hatten Fahnen, Plakate und Transparente mitgebracht. So waren neben den Aktionsbündnissen »Neuruppin bleibt bunt« und »Fehrbellin bleibt bunt«, der Bürgerinitiative »Kyritzer Bürger für Frieden« und einem Vertreter des Jugendverbandes der SPD natürlich auch DIE LINKE optisch gut zu erkennen.

Ich hoffe, dass bei der nächsten AfD-Demo, die für den 21. März ab 18.00 Uhr auf dem Schulplatz angemeldet wurde, alle demokratischen Kräfte in Neuruppin gegen die AfD Farbe bekennen.

Auf der Bühne waren auch noch andere Parteien und Organisationen in Form von Redebeiträgen vertreten. So sprachen an diesem Abend unter anderem Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin), Landrat Ralf Reinhardt (SPD), der Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke (CDU) und der Kreistagsabgeordnete Freke Over (DIE LINKE).

Am Ende gab es noch fantastische Musik einer Band von Musikern verschiedener Nationalitäten. Diese animierten die Demonstranten zum Tanzen, zu Beginn mit einer Fahne der LINKEN in der Hand. Die Musik spielte so laut, dass sie auch noch am anderen Ende des Schulplatzes von denen zu hören war, die zur AfD-Kundgebung gekommen waren. Ja, was bewog eigentlich diese Bürger, sich die Parolen der AfD anzuhören? Ist es wirklich nur die Angst vor Fremden oder sind sie mit der gesellschaftlichen Entwicklung in unserem reichen Deutschland unzufrieden? Was fürchten sie zu verlieren?

Wir leben in einem Land, in dem die Leute in ständigem Wettbewerb stehen. Wo man ständig Angst haben muss, ersetzt zu werden, wenn man nicht gewinnbringend ist und der Blick nach unten statt nach oben geht. In dem der eigene Lebensstandard mit der nächsten Wirtschaftskrise fällt und die eigene Zukunft nicht sicher ist. In einem Land, in dem sich der Staat nicht mehr kümmert. Der soziale Wohnungsbau wird seit Jahrzehnten vernachlässigt, die Mindestsicherung ist mit der Agenda 2010 Gesetz, Lehrer und Polizisten werden aufs absolute Minimum wegrationalisiert.

Deutschland steckt in einer Krise. Das ist aber keine Flüchtlingskrise, sondern eine Kapitalismuskrise. Und man sollte nicht Flüchtlinge für die eigene schlechte Situation verantwortlich machen, sondern die regierenden Parteien.