09.04.2016
Hans Weiske
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Thema Asyl - Die Fortsetzung aus Wiederau

Helga Steinert

Es war reiner Zufall. Im Rahmen meiner monatlichen Verteilungs-Aktion der „LinksWorte“ hatte ich im Februar den Königshain-Wiederauer Ortsteil Stein logistisch in meinen Plan aufgenommen. Als ich am 24. Februar die Zeitungen bei Helga Steinert abgeben wollte, traf ich sie sehr erregt an. Am Vorabend, so ihre Information, hätten sie davon erfahren, dass die in Wiederau untergebrachten 60 Flüchtlinge kurzfristig in die zentrale Aufnahme-Einrichtung in Rossau umgesiedelt werden sollten. Und dort wären sie mit vielen anderen in einer großen Halle ohne den geringsten Privatbereich untergebracht worden. „Aber noch schlimmer“ - so Helga Steinert weiter - „wäre es für sie gewesen, ohne uns zu sein. Das erste Mal nach ihrer hochgefährlichen und ungemein anstrengenden Flucht weg von Krieg, Verfolgung und Todesdrohungen haben sie endlich wieder ein bisschen Heimat gefunden“. Dabei meint sie die inzwischen über 150 Helfer und Unterstützer aus der Gemeinde. Als Begründung für den vorgesehenen Umzug gab das Landratsamt geringere Kosten in Rossau an.

Helga Steinern nahm Kontakt zu Peter Krause auf. Auch die Landtagsabgeordneten Jana Pinka und Juliane Nagel von der LINKEN schalteten sich auf ihre Initiative hin ein. Auch der grüne Landtagsabgeordnete Wolfram Günther machte sich mit seinen Aktivitäten zum Fürsprecher und Unterstützer der Wiederauer Helferinitiative. So appellierte er unter anderem an den Landrat, die Entscheidung zur Umsiedlung der Flüchtlinge von Wiederau nach Rossau zu revidieren.

Neben ihren Kontakten zu Abgeordneten der LINKEN nahm auch Helga Steinert Kontakt zum Landratsamt auf. Um die angekündigte Umsiedlung zu verhindern, wurde von den Flüchtlingshelfern entschieden, „ihre“ Flüchtlinge mit nach Hause in ihre Familien zu nehmen. So waren bei Helga Steinert und ihrem Mann drei junge Männer aus Pakistan zu Gast, mit denen sie inzwischen viel unternahmen. So besuchten sie die Augustusburg und die Talsperre Kriebstein. Die Verständigung erfolgte mit Händen und Füßen, da die jungen Männer weder deutsch noch englisch sprachen.

Der Widerstand der Helfer und der Druck von Landtags- und Kreistagsabgeordneten führte dazu, dass der Landrat sich genötigt sah, am Abend des 25. Februar zum Gespräch nach Wiederau zu kommen - offenbar in der festen Absicht, die Notwendigkeit der Umverlegung der Flüchtlinge zu begründen. Die Atmosphäre des Gesprächs, zu welchem die Presse nicht zugelassen war, führte beim Landrat und dem Leiter der im Landratsamt geschaffenen Stabsstelle Asyl, Dieter Steinert, zum Umdenken. Nach langer Debatte gab es nämlich eine Einigung beider Seiten. Die Schließung des Flüchtlingscamps wurde abgesagt. Dazu trug auch bei, dass ein Flüchtling auch im Namen der anderen Bewohner des Flüchtlingscamps sagte, hier habe er nach dramatischen Erlebnissen der Flucht „seine Heimat und seine Familie“ gefunden.

Für die Flüchtlinge sollen nun Möglichkeiten der Unterbringung in Wohnungen geprüft und gefunden werden. Dazu wurden regelmäßige Arbeitstreffen vereinbart. Dort soll letztendlich entschieden werden, wie lange das Camp noch gebraucht wird. Ein erstes solches Treffen mit Annett Schrenk, der Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragten des Landratsamtes fand am 10. März statt. Alles ist, so Helga Steinert, seitens der Flüchtlingshelfer dem Ziel untergeordnet, die Flüchtlinge, die ein Aufenthaltsrecht in Deutschland erhalten, zu einem eigenständigen Leben zu führen.

Hinweis

Die gesamte März-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/103.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .