09.04.2016
Hans Weiske
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Volker Haluscha - Linker Oberbürgermeister von Flöha in Sachsen

Der OB in seinem Amtssitz

Die Amtszeit von Volker Holuscha als linker Oberbürgermeister von Flöha hat die viel zitierte Grenze von 100 Tagen längst überschritten. Wir wollten wissen, wie es ihm in seinem Amt geht. Ohne Probleme fand sich ein Termin. Und am 11. März kam es zum Lokaltermin im Rathaus. Für mich war das ein Heimspiel im doppelten Sinne: Erstens sind wir beide seit Jahren gemeinsam im Ortsverband Flöha der LINKEN aktiv und zweitens gehöre ich als Falkenauer seit der Eingemeindung am 1. Oktober 2011 zu den etwa 11.000 Einwohnern der Großen Kreisstadt Flöha.

Der OB in seinem Amtssitz

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Am 7. Februar des vergangenen Jahres trafen wir uns auf Bitte von Volker im kleinen Kreis aktiver Genossinnen und Genossen. Er wollte unsere Meinung zu seiner möglichen Kandidatur für das Oberbürgermeister-Amt erfahren. Volkers Begründung war kurz und bündig. Viele Bürger hätten ihn bereits darauf angesprochen. Wir bestärkten ihn, den Hut in den Ring zu werfen. Zumal der langjährige Oberbürgermeister Friedrich Schlosser (CDU) aus Altersgründen - um im Bild zu bleiben - diesen Ring verließ. Volker führte einen engagierten, sachlichen und konstruktiven Wahlkampf, der in Flöha von Anfang an auf einen Dreikampf mit den Bewerbern der CDU und der AfD hinauslief. Während Volker im ersten Wahlgang noch wenige Stimmen hinter dem Kandidaten der CDU zurücklag (die AfD war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon aus dem Rennen), drehte er im entscheidenden 2. Wahlgang den Spieß um und ließ mit 42,4 Prozent der Stimmen den CDU-Bewerber Andreas Fritzsche um etwa vier Prozent hinter sich. Romy Penz, örtliche Unternehmerin und Bewerberin der AfD, landete trotz eines aufwendigen populistischen Wahlkampfes nur bei 18,8 Prozent der Stimmen.

Volker Holuscha, Jahrgang 1961, ist nach eigenen Worten ein „Ur-Flöhaer“. Nach dem Besuch der Polytechnischen Oberschule erlernte er den Beruf eines Backwarenfacharbeiters, wurde aber nach seinem Berufseinstieg durch den Besuch der Parteischule der SED in Mittweida für die Tätigkeit im Parteiapparat „fit gemacht“. Seinen Arbeitsplatz fand der in der SED-Kreisleitung in Flöha. Die politische Wende traf ihn als Schüler der Parteihochschule in Berlin. Obwohl im Herzen ein Linker, verabschiedete er sich auf Zeit - genauer gesagt, bis 1998 - sowohl von einer Parteizugehörigkeit, als auch vom aktiven politischen Engagement. Zwischen 1990 und 1999 durchlebte er „neun schwere, aber nicht uninteressante Jahre“. Manches versuchte er in dieser Zeit, auch im Westen, nichts befriedigte ihn so richtig. 1998 begann er sein bis 2014 andauerndes Engagement als Vorsitzender des Ortsverbandes Flöha der Volkssolidarität, von 2003 bis 2007 war er auch Mitglied des geschäftsführenden Kreisvorstandes. Seit 1999 verdiente er sich seine Brötchen wieder als Bäcker, vorwiegend in Nachtschichten.

Das Jahr 1999 war das Geburtsjahr des Engagements Volker Holuschas als Stadtrat für die PDS. Obwohl er manchen Entwicklungen in der Partei kritisch gegenüberstand (auch später meldete er sich in dieser Zeitung mehrfach mit kritischen Wortmeldungen), ließ er sich von den verdienstvollen Genossinen Rita Hillmann (Oederan) und Margot Preißler (Flöha) überzeugen, in die PDS einzutreten. Das war - wie gesagt - im Jahr 1999. Seither ist Volker Holuscha Stadtrat in Flöha, seit 2002 leitete er die Fraktion der PDS, später der LINKEN. Zu den Bürgermeisterwahlen im Juni 2008 trat er gegen den langjährigen Amtsinhaber von der CDU an und musste sich dem Amtsbonus erwartungsgemäß geschlagen geben. Aber bereits da kam er mit über 20 Prozent der Stimmen klar vor den Bewerber von SPD und FDP ein. Und diesmal eroberte er den Sessel des Oberbürgermeisters!

Als ich in unserer April-Ausgabe des vergangenen Jahres Volker Holuscha als Oberbürgermeister-Kandidat der LINKEN für Flöha vorstellte, ahnte ich - bei allem Optimismus - nicht, dass es ein solcher Triumph werden sollte. Aber die Voraussetzung dafür hatte ich anscheinend richtig erfasst, als ich schrieb:

„Volker hat sich – weit über DIE LINKE hinaus – große Anerkennung für sein langjähriges kommunalpolitisches Wirken erworben. Vor allem ist das auf seinen am Bürgerwohl orientierten Arbeitsstil, gepaart mit hoher Sachkenntnis über die konkrete Kommunalpolitik, zurückzuführen“.

Dem Vertrauensvorschuss seiner Wähler versucht Volker Holuscha, jetzt gerecht zu werden. Mir gegenüber formuliert er in kurzen, präzisen Stichworten die Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit als Oberbürgermeister:

* Ein neues Stadtentwicklungskonzept

* Haushaltskonsolidierung

* Mittelstand wird Chefsache

* Transparenz der Verwaltung

* Umstrukturierung der Verwaltung

Gegenwärtig wird natürlich alles von der Asyl- und Flüchtlingsproblematik überlagert. Dazu hat Volker Holuscha seine Meinung in unserem Februar-Heft klar und unmissverständlich geäußert. Der in der Stadt geschaffene Koordinierungskreis „Asyl“ schätzt ein, dass sich Flöha, vor allem, was die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge betrifft, auf einem guten Weg befindet.

Auf meine abschließende Frage, ob seine Mitgliedschaft in der LINKEN seit der Wahl zum Oberbürgermeister symbolisch ruhe, kam die klare Antwort:

„Natürlich stelle ich mich der Aufgabe, ein Bürgermeister für alle Bürger zu sein. Aber das ändert nichts an meiner humanistischen Grundhaltung und -überzeugung und daran, dass ich ein Linker bin und bleibe.“

Dabei räumt Volker Holuscha ein, dass es vor allem in den oftmals komplizierten Entscheidungen zur Konsolidierung des städtischen Haushaltes nicht immer einfach sei, die linke Handschrift des Oberbürgermeisters zu erkennen. Aber hier drücken Sachzwänge auf die kommunalen Finanzen.

Hinweis

Die gesamte März-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/103.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .