04.02.2016
Margit Streblow
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Rufst du mich an – oder rufe ich dich an?

Für uns ist das Smartphone Alltagsgegenstand, ohne App geht nichts mehr.Und in Kuba? Wie funktioniert der Telefon-Alltag? Teil 3 der Kuba-Serie.

Hierzulande macht sich kaum einer mehr Gedanken, wie teuer ein einzelnes Telefonat sein könnte. Die Flatrate – der Festtarif, egal wohin und wie lange man telefoniert, – ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken.
Ist man in Kuba und möchte nach Hause telefonieren oder eine SMS senden, kann man das mit den meisten Handys inzwischen auch problemlos und relativ kostengünstig. Roaming macht es möglich.
Will man jedoch innerhalb Kubas telefonieren, muss man einige Spielregeln kennen, ansonsten wundert man sich, wieso nie jemand ans Telefon geht oder man umsonst auf einen Rückruf wartet.
Beim Telefonieren in Kuba gibt es vier Preisklassen, zwischen denen mitunter Welten liegen. Die für den Anrufer preiswerteste Variante ist von einem Festnetztelefon ein Handy anzurufen. Hier zahlt immer der Empfänger. Grund dafür ist, dass sowohl Telefonate als auch der Anschluss eines Festnetztelefons immer in Peso Nacional (CUP) bezahlt werden, was aber nicht kompatibel ist mit der Bezahlung von Handygesprächen, die immer in Peso Convertible (CUC) erfolgt (siehe Seitenspalte!)
Das heißt, ruft mich jemand vom Festnetz auf meinem Handy an, muss ich die Kosten tragen und die sind nicht gering. In fast allen Geschäften, Restaurants etc. ist es inzwischen möglich in beiden Währungen zu bezahlen, die es in Kuba gibt – also Peso Nacional und Peso Convertible. Beim Telefonieren geht das (noch) nicht.
Normalerweise läuft ein solcher Anruf folgendermaßen ab: Man wählt von einem Festnetztelefon aus ein Handy an. Das Telefon klingelt, aber niemand geht ran. Man legt auf. Wenn man Glück hat, wird man nach wenigen Minuten von einem anderen Festnetztelefon zurückgerufen. Der Handybesitzer sucht also schnellstmöglich ein Festnetztelefon auf der Straße oder wo er gerade ist und ruft für ihn wesentlich preiswerter als über Handy zurück.
Preiswert ist auch ein Telefonat innerhalb des Festnetzes. Diese Kosten sind in Euro oder Cent kaum zu beziffern. Selbst Ferngespräche kosten dann nur wenige Pesos Nacionales.
Der monatliche Grundpreis für einen Festnetzanschluss beträgt 20 Pesos Nacionales, umgerechnet ca. 80 Cent. Damit hat sich der bis Ende 2013 gültige monatliche Grundpreis von 6 Pesos Nacionales auf das über Dreifache erhöht. Kubaner verdienen im Monat durchschnittlich umgerechnet etwa 25 Euro – da bekommt eine Preiserhöhung von 6 auf 20 Pesos Nacionales, also 25 Cent auf 80 Cent, eine andere Dimension.
Am teuersten ist es vom Handy aus anzurufen. Der Anrufer muss stets bezahlen, egal ob ein Handy oder ein Festnetztelefon angerufen wird. Das macht der Kubaner damit nur im äußersten Notfall.
Ein Smartphone erwirbt man in Kuba für ca. 100 CUC. Eine SIM-Karte einschließlich Einrichtung des Anschlusses auf dem Handy kostet für Kubaner 40 CUC, ein E-Mail-Account 1,50 CUC. Spätestens nach 11 Monaten muss der E-Mail-Account erneuert werden, ansonsten verliert man den Zugang.
Das „preiswerteste“ Aufladen eines Handys geschieht mit Hilfe von Freunden und Familienangehörigen, die außerhalb Kubas leben. Zu Gelegenheiten wie Weihnachten, Valentinstag oder Muttertag finden immer wieder Rabattaktionen statt. Dazu muss der Freund im Ausland die Telefonnummer des Begünstigten auf der entsprechenden Webseite im Internet eingeben und per Kreditkarte bezahlen. Innerhalb weniger Minuten ist das Handy in Kuba aufgeladen. Man kann auch für wenige Cents einen SMS-Dienst nutzen, bei dem der Empfänger in Kuba sofort informiert wird, wenn das Telefonkonto aufgeladen ist. Diese Angebote (20 EUR bezahlen, aber 40 EUR aufladen) konnte man lange Zeit nur aus dem Ausland wahrnehmen. Inzwischen kann man 20 CUC aus dem Ausland aufladen, der Empfänger bekommt 60 CUC gutgeschrieben, muss den Bonus aber innerhalb von 6 Wochen verbrauchen, sonst verfällt er. Das eigentlich aufgeladene Guthaben verfällt nicht.
Dagegen steht die Variante, das Handy in Kuba aufzuladen. Das heißt jedoch, lange Warteschlangen zu bewältigen und am Ende vielleicht zu hören: Für heute ausverkauft, bitte morgen wiederkommen. Am besten vor 10 Uhr. Wir bekommen täglich nur 10 Aufladekarten für je 10 CUC.
Und noch eine Schwierigkeit ist beim Telefonieren mit einem Handy in Kuba zu bewältigen: Der fehlende Empfang. Bis vor kurzem war es nicht ungewöhnlich zu hören: „Das Telefon des Angerufenen ist ausgeschaltet oder hat keinen Empfang.“ Ausgeschaltet war das Handy in den seltensten Fällen.
Inzwischen werden immer mehr Sendemasten in ganz Kuba errichtet. Damit verbessert sich nicht nur das Telefonieren, sondern auch der Zugang zum Internet wesentlich.
Eine Stunde Internet via Smartphone kostet 2 CUC. Mehrere Kubaner teilen sich oft eine Karte. In den Parks, die sich in der Nähe der Sendemasten befinden, sitzen Menschen jeglichen Alters und freuen sich, dass sie ihre Familienangehörigen oftmals nach vielen Jahren nun per Skype und Internet sehen können. Da sind schon 20 Pesos Nacionales viel wert, auch wenn man dafür nur 20 Minuten das Internet nutzen kann.
Also, rufst du mich an oder rufe ich dich an?