18.03.2016
Margit Streblow
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Vom Militärstützpunkt zum Museum?

Für Kuba steht fest: Die USA müssen die Militärbasis Guantánamo an den Inselstaat zurückgeben. Erst dann gibt es eine wirkliche Annäherung.

Barnim

Wenn ich Freunden und Bekannten in Deutschland erzähle, dass ich in Guantánamo war, schaut man mich oft ungläubig an. Für viele ist dieser Ort Synonym des US-Militärstützpunktes auf kubanischem Territorium. Dabei gibt es im Osten Kubas auch eine Stadt mit et­wa 200.000 Einwohnern, die so heißt, und die gleichzeitig Hauptstadt der gleichnamigen Provinz ist. Und es gibt ein Lied, das viele auch nicht Kuba-Kenner mitsummen: Guantanamera – Mädchen aus Guantánamo. Dieses Lied fehlt in keinem Repertoire einer Band in Kuba, auch wenn es ermüdend ist, jedes Mal beim Mittagessen in einem Restaurant genau dieses Lied zu hören. Zum Glück geht die Musik ins Ohr und die Interpretationen sind unterschiedlich.
Der Text für dieses viel gesungene Lied stammt von José Martí, dem kubanischen Nationalhelden, den alle Kubaner verehren und dessen Büste überall im Land vor unzähligen öffentlichen Gebäuden anzutreffen ist. Er wird jedoch nicht nur als bedeutender Schriftsteller und Poet Kubas und ganz Lateinamerikas verehrt (heute kann man bis 25-bändige Ausgaben seiner Werke erwerben), sondern er ist der wichtigste Kämpfer für die Unabhängigkeit Kubas. 1892 hatte er die Revolutionäre Partei Kubas gegründet. Am 19. Mai 1895 fiel er im Kampf um die Befreiung von der spanischen Kolonialmacht.
Aber fangen wir mit dem Anfang an: Über 900 Kilometer östlich von der Hauptstadt Havanna gelegen, im östlichsten Zipfel des Landes, befindet sich die Provinz Guantánamo mit der gleichnamigen Provinzhauptstadt. Die Provinz ist rund 6.000 Quadratkilometer groß und hat etwa 500.000 Einwohner. Nördlich davon liegt die Provinz Holguín, westlich die Provinz Santiago de Cuba. Ansonsten ist es gebirgiges Küstenland. Die regenärmste und regenreichste Region des Landes liegen hier ganz nah beieinander.
Im September 2015 war ich nach vielen Jahren wieder in der Provinz Guantánamo. Ich habe eine 9-köpfige Gruppe in einem dreiwöchigen Workcamp im Rahmen des Cuba sí-Projekts „Milch für Kubas Kinder“ begleitet. Cuba sí bietet jährlich vier dieser Reisen an, bei denen man die Projekte von Cuba sí und die kubanische Landwirtschaft kennenlernen kann – abseits vom sonst üblichen Tourismus. Es werden leichte Arbeiten auf dem Feld verrichtet, die aber in Kuba nicht wirklich leicht sind, da der schwere Boden und das feuchtwarme Klima nicht zu unterschätzen sind. So wird zum Beispiel bisher brachliegendes Land urbar gemacht, indem man es per Hand von Steinen befreit, um darauf Kinggras zu säen. Dieses wird später als Futter für die Kühe verwendet.
Aber auf dem Programm eines Workcamps stehen auch Besuche in Schulen, Krankenhäusern, Museen und Ausflüge in die nähere Umgebung. Die diesjährige Gruppe wollte unbedingt den Nationalpark „Alexander von Humboldt“ besuchen, der sich auch auf dem Gebiet der Provinz Guantánamo befindet. Er ist UNESCO-Weltnaturerbe und umfasst eine Fläche von 700 Quadratkilometern. Über 80 Prozent der hier vorkommenden mehr als 1.200 Tier- und Pflanzen-
arten sind endemisch, gibt es also nur noch hier. Eine Rundfahrt per Boot und ein dreistündiger Spaziergang von der Unterkunft am Fluss bis zum Strand am Meer ließen uns die Schönheit und Einzigartigkeit dieser Region erahnen.
Der Hafen von Guantánamo ist der Hafen Kubas mit den besten natürlichen Bedingungen. Er ist sehr tief und damit für kleine und große Schiffe ideal. Kein Wunder also, dass die USA ihre Militärbasis dort nicht aufgeben wollen (zur Geschichte siehe Seitenspalte). Die USA unterhalten aber nicht nur in Kuba, sondern in mehreren Ländern Lateinamerikas Militärstützpunkte, um ihren Einfluss in dieser Region zu sichern. Dagegen gibt es immer wieder Aktionen wie das seit 2010 jährlich stattfindende „Treffen für Frieden und die Abschaffung ausländischer Militärbasen“ in Guantánamo, an dem Vertreter mehrerer Länder teilnehmen und die Schließung der Militärstützpunkte und die Rückgabe der Territorien an die jeweiligen Länder fordern.
Für Kuba steht fest: Nur wenn die USA das Territorium an Kuba zurückgeben, kann es zu einer wirklichen Annäherung zwischen beiden Ländern kommen. Auch hier fordert Kuba Verhandlungen auf Augenhöhe. Ein Schritt dahin könnte die bereits begonnene Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen sein.
Die Kubaner machen sich aber auch Gedanken, was aus dem Terrain des Militärstützpunktes nach dem Abzug der Amerikaner werden soll. Sie meinen, dass auf jeden Fall ein Museum errichtet werden sollte, um künftigen Generationen die Geschichte dieses Ortes zu vermitteln. Nicht dass am Ende alles platt gemacht wird wie in der „Enmienda Platt“ …


Interessante Links zum Thema:
Zu einer Reise mit Cuba sí in ein Workcamp:
http://cuba-si.org/reisen
Zu den Militärstützpunkten:
https://amerika21.de/2015/11/136901/gegen-­militaerbasen
Rede von Raúl Castro auf dem 7. Amerikagipfel am 10. April 2015 in Panama:
https://amerika21.de/dokument/118552/rede-raul-castro-amerikagipfel