17.12.2015
OW-Beitrag
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

„Starke Freunde“

Die Hilfe für Flüchtlinge muss so konkret wie möglich sein, das ist der Anspruch von Eva Maria Rebs, Koordinatorin der Willkommensinitiativen in Bernau

Bernau/Barnim

Das Bernauer Netzwerk für Weltoffenheit hatte im Mai die Bildung einer Willkommensinitiative für Flüchtlinge angestoßen. Die Koordination der ehrenamtlichen Hilfen übernahm die Agentur Ehrenamt. Seit November erhält nun der AWO Kreisverband einen Personalkostenzuschuss von der Stadt für eine stundenweise hauptamtliche Koordination. Für diese Tätigkeit wurde Eva Maria Rebs, die Leiterin des AWO-Treffs von anderen Aufgaben freigestellt. OW sprach mit ihr über „starke Freunde“, die gebraucht werden.


Wie sieht die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge aus?
Erfreulicherweise ist die Hilfsbereitschaft groß. Immerhin haben sich schon mehr als 200 Personen in den Verteiler aufnehmen lassen. Und für die ersten Einsätze (Willkommenstüten packen, beim Empfang in der ehemaligen Waldarbeitsschule, Begleitungen) haben sich immer schnell genug Leute zur Mithilfe gefunden.


Was koordinieren Sie?
Meine Aufgabe ist es, Informationen und Bedarfsmeldungen an die Willkommensinitiative weiterzugeben, Rückmeldungen zu bearbeiten, die Arbeitsgruppen (Sprache, Spenden, Struktur und Inklusion) bei Bedarf organisatorisch zu unterstützen und den Kontakt zwischen Willkommens­initiative und Heimleitung zu halten.


Was kann man tun, wenn man helfen will?
Angesichts der vielen von Angst, Unkenntnis und Ablehnung geprägten Gerüchte, die über Flüchtlinge im Umlauf sind, sehe ich gegenwärtig unsere wichtigste gemeinsame Aufgabe darin, in unserem Umfeld Informationen und Empathie zu vermitteln. Zum Thema Flucht und Asyl finden sich auf www.barnim.de unter dem Suchwort „Asyl“ viele interessante Informationen und an einigen öffentlichen Stellen (zum Beispiel im Rathaus und AWO-Treff) liegen die Hefte „Neue Nachbarn“ zum Mitnehmen und Weitergeben bereit.
Sachspenden werden gegenwärtig über die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal organisiert. Sammel-Container stehen in Bernau in der Ulitzka-/Ecke Börnicker Straße und in Lobetal neben dem Second-Hand-Kaufhaus „Brockensammlung“. Dort können die Flüchtlinge dann bei Bedarf in ansprechender Umgebung Sachen aussuchen und zu symbolischen Preisen erwerben.
Es ist nicht hilfreich, mit Sachspendenbeuteln direkt zu einem Heim zu fahren. Es gibt vor Ort keine Lagermöglichkeiten und außerdem sollen und wollen die dort beschäftigten Sozialarbeiter ihre ganze Kraft und Zeit für die Fragen und Probleme der Bewohner einsetzen. Konkreten Bedarf melden die Heime an mich und ich gebe ihn per Mail an den Verteiler weiter. Wer hier gern mithelfen will, kann sich bei willkommensinitiative@awo-kv-bernau.de melden und um Aufnahme in den Verteiler bitten. Möglichst sollte man schon dazuschreiben, welcher Art die Hilfe sein könnte. Eine Hilfe wäre es auch, wenn wir den neuen Nachbarn die Integration in vorhandene soziale Strukturen erleichtern könnten, ihnen beispielsweise die Mitwirkung in einem Sportverein ermöglichen würden. Auch hier sind Ideen gefragt.
Im Sozialen Möbellager in Bernau, Rüdnitzer Chaussee 48-50, werden Sachspenden angenommen und preiswert angeboten, montags bis freitags: 8.40 bis 15.30 Uhr.