13.01.2016
Bianka Wandersleb
Erschienen in: KONKRETer (Kyffhäuserkreis, Thüringen)

Auch Sondershausen ist nicht scharf auf Nazis

Anti-Nazi-Demo in Sondershausen

Weil es gerade „in“ ist und das rechte Spektrum von Pegida über AfD und NPD ein Thema gefunden hat, mobilisierte die NPD im Kyffhäuserkreis für den 5. Oktober zu einer Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Ca. 250 Anhänger versammelten sich am Busbahnhof in Sondershausen, wobei ein großer Teil wohl eher Zuschauer waren.

Dagegen formierte sich eine ebenso große Anzahl von Menschen aus Vereinen, Verbänden, Parteien und Kirchen, die die menschenverachtenden und besonders gegen die Flüchtlinge gerichteten Parolen nicht unwidersprochen ließen. Mit Musik, Trillerpfeifen und Sprechchören verschafften wir uns laut Gehör.

Mehrere Redner_innen u.a. Abgeordnete aus Bundes- und Landtag wiesen darauf hin, dass auch Deutschland einen großen Anteil an den Kriegen dieser Welt hat und dass es menschlich ist, solidarisch mit denen zu sein, die vor Krieg und Verfolgung fliehen und in Europa Zuflucht suchen.

Die NPD veranstaltete anschließend einen Demonstrationszug durch die Stadt, dem viele Menschen folgten, darunter auch viele „normale Bürger“. Das zeigt, dass die Schamgrenzen längst gefallen sind und man keine Hemmungen mehr hat, selbst der NPD hinterherzulaufen. Der Stammtisch findet schon lange nicht mehr hinter verschlossenen Türen statt, sondern in aller Öffentlichkeit. In Erinnerung an die Zeit vor 80 Jahren muss man sagen: Wehret den Anfängen!

Zur gleichen Zeit fand in der Trinitatiskirche ein sehr gut besuchtes Friedensgebet statt, was mich in der Hoffnung bestärkt, dass es viele Menschen gibt, die offenherzig und solidarisch sind und über den eigenen Tellerrand hinwegsehen. Das findet seinen Ausdruck auch in einer großen Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft mit den hier angekommenen Flüchtlingen