12.01.2016
Bianka Wandersleb
Erschienen in: KONKRETer (Kyffhäuserkreis, Thüringen)

Willkommen in Deutschland

Ein Thema beherrscht sein Wochen alle Medien: Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa. Viele Menschen flüchten vor Krieg, vor Verfolgung, vor Armut. Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. In Syrien, was zurzeit besonders im Fokus steht, ist seit 2011 Krieg. Viele Menschen flüchteten in die Nachbarländer Jordanien und Libanon, wo riesige Zeltstädte entstanden. Die Flüchtlinge leben dort unter primitivsten Bedingungen. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sorgte für das Notwendigste, aber nun ist auch das nicht mehr gewährleistet, die Essensgutscheine wurden halbiert, das Geld geht aus. Viele, die dort lange ausharrten, sehen nur noch zwei Möglichkeiten: Flucht oder an Hunger und Krankheiten sterben. Das letzte Geld wird zusammengekratzt, um wenigstens einigen wenigen den Weg nach Europa zu ermöglichen, in der Hoffnung, dass die Familie auf sicherem Weg nachfolgen kann. Der Weg durch Wüste, Meer, Länder, die keine Flüchtlinge haben wollen oder selber arm sind, ist für uns unvorstellbar und wir werden auch sicher nie in eine solche Situation kommen.

Sicher ist die Lage in Europa zurzeit angespannt, mit so vielen Flüchtlingen in so kurzer Zeit konnte noch im vorigen Jahr keiner rechnen. Aber die EU, die Friedensnobelpreisträger ist, muss doch in der Lage sein, so was zu bewältigen. Aber wie ist die Wirklichkeit? Grenzen werden dichtgemacht, Flüchtlinge werden mit Tränengas und Wasserwerfern beschossen, Länder, die einstmals sozialistisch waren, gebärden sich offen faschistisch, was ist da passiert?

Deutschland ist eines der wenigen Länder, die Flüchtlinge aufnehmen und alles Menschenmögliche tun, um den Menschen, die vor dem Krieg fliehen, wenigstens ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinken und ein paar warme Kleidungsstücke zu bieten. Ich schäme mich für die, die sich vor Flüchtlingsheime stellen und Naziparolen rufen, die Heime anzünden. Brennende Mülltonen und Hakenkreuze an Häusern, wie in Bad Frankenhausen geschehen, sind da noch harmlose Ereignisse. Sicher sind auch in Thüringen, wo es bisher wenig Ausländer gab, so viele Menschen aus fremden Ländern erstmal ungewöhnlich, aber das muss nicht so bleiben. Wenn man sich die Mühe macht, sie kennenzulernen, ihre Geschichte begreift, dann merkt man, sie sind Menschen wie du und ich, außer dass sie eine andere Sprache sprechen und ein bisschen anders aussehen.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem Umbruch, wir alle können dafür sorgen, dass es ein Umbruch zu einer bunten multikurellen Gesellschaft wird, von der alle profitieren, die Eingeborenen und die Neubürger.