08.12.2015
Peter Kolbe
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Kultur auf Rädern

Mit Regina Kittler ins sagenhafte Oderland

Regina Kittler und Christel Bodenstein (re.)

Da rollte sie wieder, die KKK (Kittler-Kultur-Karawane). Ein Bus voller enthusiastischer Menschen nutzte das wetterfreundliche November-Wochenende zu einer Ausfahrt in den Osten Brandenburgs. Was so unspektakulär klingen mag, entpuppte sich als geballte Ladung Kultur.
Zunächst ging es nach Fürstenwalde zur Ausstellung „Sagenhaftes Oderland“, wo wir auch putzige Sagengestalten betrachten konnten, die von prominenter Hand gefertigt wurden: Christel Bodenstein. Die einstige Prinzessin vom „Singenden, klingenden Bäumchen“ als Kunsthandwerkerin? Erstaunlich skurrile Figuren hatte sie da geschaffen. Und die sagenhaften Hintergründe dazu gab es per Video.
Die Fahrt führte weiter nach Falkenhagen mit der hoch interessanten riesigen Feldsteinkirche aus dem Jahre 1680, neuerdings auch Ort einer Ausstellung zur Giftgasproduktion der Nazis 1940 bis 1945 im Falkenhagener Forst.
Im Schweizerhaus Falkenhagen kam es am Nachmittag dann zur mit Spannung erwarteten Begegnung mit der Schauspielerin Christel (eigentlich Christa) Bodenstein. Sie las aus ihrem Büchlein „Einmal Prinzessin – immer Prinzessin“, das die vielen Gesichter dieser Künstlerin auf reduzierte und dennoch berührende Art zeigt (wunderschön illustriert von ihr selbst und ihrem Sohn Mirko Wolf). Gemeinsam mit Hasso von Lenski und Maria Mallé entführte sie uns dann noch in die „Sagenhafte Oderwelt“, ein gemeinsam mit dem Kulturverein Falkenhagen entwickeltes Memoryspiel. Dazu hatten wir am Vormittag ja schon die Ausstellung gesehen.
Im Hotel Schloss Wulkow schließlich fand der Tag noch seinen emotionalen Abschluss: bei der Aufführung des DEFA-Klassikers „Beschreibung eines Sommers“ mit Christel Bodenstein und Manfred Krug. Eine „Film Ihrer Wahl“-Umfrage unter fünf Bodenstein-Filmen hatte diesen Streifen favorisiert.
Der Sonntag widmete sich vor allem einem Besuch des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder) sowie des DDR-Bilder-Depots der Burg Beeskow. Für Erstbesucher dieser Bildersammlung aus Beständen einstiger staatlicher Institutionen und Massenorganisationen war dieser Rundgang in den mit DDR-Kunst vollgestopften engen Speichergängen sicher ein Schock. Endlose Bilderstapel drängen sich da in rustikal zusammengezimmerten Regalwänden. Auf engstem Raume findet man hier etwa 25.000 Objekte – von der Malerei über Grafik bis hin zu Skulpturen (im Keller), vom Großformat bis zur Miniatur, von Politkitsch bis zu anspruchsvollen Gemälden. Es wird nicht leicht sein, daraus eine ansprechende Auswahl für die künftige Galerie im Schloss Biesdorf zu treffen.
Kultur auf Rädern? - Immer wieder gerne. Selbst der Busfahrer, Herr Feige, gehört nun schon zu den Standards der Reise-Serie. Und im Nachhinein kann man es ja ruhig mal erwähnen: Es war die 13. (in Worten: dreizehnte!) Reise. Trotzdem klappte alles gut – um nicht zu sagen hervorragend! Wie will das die 14. Reise noch übertreffen, fragt sich erwartungsvoll