08.12.2015
Heidi Wagner
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

PPP - und was man dabei erleben kann

Marzahn-Hellersdorfer Schülerin für ein Jahr in den USA

Jessi mit ihren Gasteltern in den USA
Marzahn-Hellersdorf

Seit dem Sommer 2015 nimmt Jessi Plietz aus Marzahn-Hellersdorf als Schülerin am Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) teil und verbringt ein Schuljahr in Amerika. Das PPP gibt seit 1983 jedes Jahr Schülerinnen und Schülern sowie jungen Berufstätigen die Möglichkeit, mit einem Stipendium des Deutschen Bundestages ein Austauschjahr in den USA zu erleben. Wir, das Wahlkreisteam von Petra Pau, stehen im ständigen Briefwechsel, den man heutzutage ja per E-Mail führt. Hier ein kleiner Einblick in Jessis Leben dort und ihre Eindrücke:

„Es gibt viele aufregende Momente im Leben eines Austauschschülers, doch eines der spannendsten ist der Brief über die Gastfamilie. Ganz ahnungslos öffnet man den Brief und auf einmal wird einem klar, der Traum wird Wirklichkeit. Man will natürlich alles über die Gasteltern erfahren, aber leider sind Name, Beruf und eine E-Mail Adresse die einzigen Informationen, die man bekommt. Also muss man selber ran. Nach stundenlangem Überlegen, was man schreiben kann, habe ich sie dann abgeschickt – meine erste englische E-Mail. Lange musste ich nicht auf eine Antwort warten und ein Satz stach sofort heraus: Wir stammen aus Mexico.
Als es für mich im Juli dann also ein Jahr nach Texas ging, erwartete mich nicht nur die amerikanische, sondern auch die mexikanische Kultur. Die ersten zwei Worte, mit denen mich meine Gasteltern am Flughafen begrüßten, waren ‚Welcome‘ und ‚Bienvenido‘.
In meinem neuen Zuhause angekommen, warteten meine neuen Cousins, Onkel und Tanten auf mich. Da meine Gasteltern selber vor 16 Jahren in die USA eingewandert sind, konnten sie sich wohl sehr gut vorstellen, wie man sich anfangs so alleine in einem fremden Land fühlt. Mit ihrer Hilfe hatte ich mich aber schon nach kurzer Zeit dort eingewöhnt. Wenn man zwei Kulturen gleichzeitig erleben darf, hat man nicht nur den Vorteil, eine weitere Sprache zu lernen, sondern man kann auch doppelt so viele Feste miterleben.
Nach drei Wochen Eingewöhnungszeit ging dann die Schule auch endlich los. Anfangs hatte ich sogar Angst, mich zu verlaufen, denn die Schule ist sehr groß. (2500 Schüler)
Ich bin auch immer wieder überrascht, mit welchen Kleinigkeiten man Aufmerksamkeit erzeugen kann. Im Unterricht und auch bei Klassenarbeiten wird nur mit Bleistift oder Kugelschreiber geschrieben. Füller und Tintenlöscher kennt man dort nicht. Meine Mitschüler waren ganz begeistert von meinen Zauberstiften. Es ist auch immer noch eine kleine Sensation, wenn Mitschüler erfahren, dass ich aus Deutschland komme. Da rutscht schon mal die ein oder andere doofe Frage raus: ‚Sprecht ihr in Deutschland deutsch?‘ Kaum hat man diese Frage beantwortet, kommt gleich ein: ‚Das ist so cool, sag mal was auf Deutsch!‘
An sich ist die Schule auch ein wenig leichter, trotzdem ist es manchmal eine Challenge, alles in Englisch zu verstehen. Gerade US-History ist super schwer, aber die Lehrer sind sehr verständnisvoll und hilfsbereit. Auch wenn ich keinen Deutschunterricht habe, steht mir die Deutschlehrerin immer zur Seite. In ihrem Unterricht ist auch die Flüchtlingssituation ein Thema. In den Nachrichten hört man hier eher selten etwas über Flüchtlinge, es ist hier ein nicht so aktuelles Thema. Was ich eigentlich schade finde, da die USA doch sicher auch Kapazitäten hätten.
Ansonsten vergeht die Zeit hier viel zu schnell. Den Großteil des Tages verbringe ich in der Schule, von 8.00-19.00 Uhr. Nach dem Unterricht gehe ich noch zur Probe. Ich spiele hier in einem Musical namens High School Musical mit. Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, ist aber total spannend. Außerdem lernt man so viele tolle Leute kennen und wir haben sehr viel Spaß.
Ich bin unglaublich dankbar, dass ich alle diese Erfahrungen hier machen darf. Manchmal frage ich mich, ob ich das wirklich gerade hier alles erlebe.“