08.12.2015
Jens Braumann
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Auf dem Roten Sofa mit Bärbel Schindler-Saefkow

Regina Kittler und Manuela Schmidt hatten eingeladen

Manuela Schmidt (re.) und Bärbel Schindler-Saefkow
Marzahn-Hellersdorf

Mitte November luden Regina Kittler und Dr. Manuela Schmidt wieder zum Roten Sofa in Abgeordnetenbüro ein. Zu Gast war diesmal Dr. Bärbel Schindler-Saefkow, Generalsekretärin des Internationalen Ravensbrück-Komitees und Vorsitzende des Deutschen Friedensrates e.V.
Sie schilderte eindrucksvoll aus ihrem Leben und ihrer Arbeit zu Ravensbrück. Besonders bewegend war ihre Schilderung von der Begegnung mit einem Mädchen, das in Ravensbrück geboren wurde. Bärbel Schindler-Saefkow war zu diesem Zeitpunkt selbst erst 16 Jahre alt und sollte an diesem Tag eine Rede zur Eröffnung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück halten. „Ich hatte die gesamte Rede auswendig gelernt, damit ich sie nicht vom Blatt ablesen muss. Dann stellte man mir das Mädchen vor und erklärte mir, dass sie im Lager geboren worden sei. In diesem Moment war meine ganze Rede durcheinander.“
Sie hörte schon als Kind all die Geschichten der Frauen und Kinder aus Ravensbrück, auch die ganz schrecklichen. Als sie ihre Mutter fragte, wie sie die Gräuel überstanden hätte, sagte diese zu ihr: „Wenn man weiß, dass die anderen im Unrecht sind und Unrecht tun, kann man ihnen entgegentreten und einem verächtlichen Blick standhalten.“

Schön und bedrückend zugleich war ihre Erzählung zur Kinderweihnacht in Ravensbrück 1944. Die Möglichkeit, diese Feier zu gestalten, sei der SS abgerungen worden. Allerdings wurde nicht gestattet, Geschenke zu verteilen. Also wurden heimlich Geschenke gebastelt, und obwohl viele entdeckt worden seien, konnten dennoch 400 Kinder beschenkt werden.
Auch zu ihrer Arbeit an dem Gedenkbuch für Ravensbrück, in dem sie 13000 Namen von in Ravensbrück Ermordeten aufschrieb, berichtete sie.
Die Arbeit daran sei sehr schwer gewesen, da die Unterlagen im Lager kurz vor der Befreiung fast vollständig verbrannt worden seien. Sie reiste daher um die Welt und traf auf Frauen aus Ravensbrück, ohne die sie ihre Arbeit nicht hätte machen können. Die Frauen haben ihr viele Türen geöffnet, die ihr sonst verschlossen geblieben wären, erklärte Frau Schindler-Saefkow.

Sie hat ihre Arbeit zwar nun schweren Herzens aufgegeben, diese werde aber auch von vielen jungen Menschen weitergeführt. So sei zum Beispiel das 2016 auf Deutsch erscheinende Buch „Ohne Haar und ohne Namen“ von Sarah Helm unbedingt zu empfehlen.

Auf die Frage, was für sie der wichtigste Satz zu Ravensbrück sei, antwortete sie: „Ravensbrück ist Ravensbrück.“