20.11.2015
Jessica Klaws
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Hilfe für Kranke

Gewerkschaft ver.di sammelte über 150.000 Unterschriften für mehr Klinik-Personal/LINKE: Bedarfsgerechte Krankenhausversorgung nötig

In der GLG, dem Gesundheitsunternehmen der Landkreise Barnim, Uckermark und der Stadt Eberswalde, sind alle Stellen besetzt. „Aber“, so die Kreistagsabgeordnete Margitta Mächtig (LINKE), "es sind mehr Stellen, vor allem in der Pflege, nötig."
Barnim

In der Krankenhauspflege ist der Notstand ausgebrochen. Denn die Krankenhäuser werden seit ca. 20 Jahren von der Bundespolitik einem ungeheuren wirtschaftlichen Druck ausgesetzt. Daher hatte die Gewerkschaft ver.di
am 21. August eine Petition zur „Einführung eines Gesetzes zur Personalbemessung in Krankenhäusern“ ins Leben gerufen und sammelte dafür 151.000 Unterschriften. Sie forderte die Bundesregierung auf, ein Gesetz zur Personalbemessung im Krankenhaus zu verabschieden. Dieses soll bundesweit eine ausreichende personelle Besetzung in den Krankenhäusern sicherstellen.
Laut aktuellen Studien sollen derzeit 162.000 Stellen unbesetzt sein, davon fehlen allein in der Pflege 70.000. Die dadurch eingetretene Unterbesetzung führt nicht nur zu unzumutbaren Verhältnissen für die Beschäftigten sondern auch zu tödlichen Folgen für die Patienten.
Kathrin Vogler, Bundestagsbgeordnete der LINKEN, sagte dazu in ihrer Rede im Bundestag am 16. Oktober: „Die Krankenhausreformen der letzten 20 Jahre der verschiedenen Bundesregierungen haben vielerorts eine Situation geschaffen, die man wirklich nur noch als katastrophal beschreiben kann: marode Häuser, überarbeitetes Pflegepersonal, Pflege im Sekundentakt.“ Vor allem im Nachtdienst macht sich der Personalnotstand bemerkbar. Auf über der Hälfte der Stationen arbeitet nachts gerade mal eine Pflegekraft. Sogar Operationen müssen immer wieder verschoben oder abgesagt werden, weil es an Personal fehlt. Selbst die Auszubildenden sind davon betroffen. Rund ein Drittel erhält keine Betreuung durch eine Praxisanleiterin oder einen Praxisanleiter.
Dazu sagt ver.di in einem Bericht: „Jede/r dritte Patient/in wird Opfer von Komplikationen oder muss krank wieder nach Hause gehen. Der Personalmangel kann sogar lebensgefährlich sein: Eine britische Studie belegt, dass das Risiko, in einem Krankenhaus zu sterben, bei einer schlechteren personellen Betreuung um 26 Prozent erhöht ist. Nicht nur die Patient/innen, auch das Personal leidet unter den Zuständen: Die starke körperliche und emotionale Belastung führt zu Burn-Out und anderen Erkrankungen. Krankenhäuser werden kaputt gespart – und wir alle zahlen dafür mit unserer Gesundheit. Das Gesetz der Ökonomie wird über das Gebot der Menschlichkeit gestellt.“
Das Hauptproblem liegt neben der Unterfinanzierung und der zunehmenden Privatisierung der Kliniken vor allem beim derzeitgen Fallpauschalensystem. Die Kosten werden zu Lasten des Pflegepersonals gesenkt und die Krankenhäuser bemühen sich mehr um lukrative als um medizinisch notwendige Eingriffe. Denn für sie zählen meist nur die Leistungserbringung, Preise und Erlöse. Für die Patienten bedeutet dies in der Regel eine frühere Entlassung und Wiedereinweisung („Drehtüreffekt“). Dabei sollte der Zweck eines Krankenhauses die Versorgung der Bevölkerung mit notwendigen stationären Leistungen sein und nicht die Gewinnmaximierung. Leider stehen diesem Zweck die derzeitige Orientierung am Markt und der Wettbewerb entgegen.
Die Große Koalition hat dazu einen Krankenhausstrukturgesetzentwurf entwickelt. Das darin enthaltene Pflegestellenförderprogramm reicht jedoch nicht aus, um eine sichere Patientinnen- und Patientenversorgung zu gewährleisen. Dennoch wollen die CDU-/SPD-Regierung und die Grünen nicht von den Fallpauschalen abweichen. Durch diesen Gesetzentwurf würden gerade mal 6.000 neue Stellen geschaffen werden und diese auch erst in einigen Jahren. Daher setzen sich ver.di und DIE LINKE für eine angemessen finanzierte und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung ein.