14.10.2015
Margot Ziemann
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Gebot der Solidarität

Bernauer Willkommens-Initiative für Flüchtlinge hat sich gegründet

Bernau/Barnim


„Selbstverständlich sei die Situation alles andere als günstig, zwei Einrichtungen in einem solch kleinen Ortsteil unterzubringen“, warb Bürgermeister Stahl (DIE LINKE) um Verständnis. Aber eine Alternative angesichts der stetig steigenden Flüchtlingszahlen gebe es nicht. Die Stadt Bernau verfüge über keine freien Wohnungen. Sie stelle aber rund ein Viertel der Einwohner des Barnim. Gemessen daran müsse sie auch ein Viertel der ankommenden Flüchtlinge beherbergen. „Unser Anteil wird bisher von anderen Kommunen mitgetragen“, so der Bürgermeister. Es sei ein Gebot der Solidarität, auch in Bernau menschenwürdige Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen.
Die Fluchtursachen, Krieg, Waffenexporte, Gewalt und Unterdrückung, müssten vor Ort von der Weltpolitik gelöst werden. Aber jetzt seien die Menschen hier und bräuchten ein Dach über dem Kopf. Dies sei ein Gebot der Menschlichkeit, fügte er hinzu. Auch wenn das vielen einleuchtet, waren die Befürchtungen und Ängste unmittelbarer Anwohner in Waldfrieden bei einer Bürgerversammlung Mitte September nicht zu überhören und wurden teilweise lautstark vorgetragen. Umso positiver, dass sich nach der Veranstaltung etwa 35 Bernauerinnen und Bernauer im Treff 23 zusammenfanden, um zu beraten, wie man den zu erwartenden Flüchtlingen ehrenamtlich helfen und sie unterstützen kann.
Das „Netzwerk für Weltoffenheit“ hatte eingeladen und viele kamen, um ihre Hilfe anzubieten. Lehrinnen darunter, die sich bereit erklärten, Flüchtlingskindern die ersten Grundlagen der deutschen Sprache beizubringen, damit sie später die Schule besuchen können. Eine junge Künstlerin will mit den Flüchtlingen modellieren und gestalten, um Kontakte zu knüpfen, wenn man die Sprache noch nicht versteht. Ein junger Engländer, der in Bernau lebt, bietet seine Dienste als Sprachmittler an. Ein pensionierter Informatiker, zugewandert aus Westdeutschland, will eine Datenbank fertigen, in der alle Angebote erfasst und abgerufen werden können.
Eine geballte Ladung an Kompetenz und Lebenserfahrung hat sich da versammelt. Wir wollen uns organisieren, um zu helfen. Vertreterinnen der Stadt Bernau stellten in Aussicht, eine Koordinierungsstelle bei einem Trägerverein zu bezuschussen.
Am 1. Oktober erfolgte das zweite Treffen, an dem sich erste Arbeitsgruppen bildeten zu folgenden Themen: Deutsch vermitteln, Organisation und Koordination, Öffentlichkeitsarbeit, Spenden sammeln und organisieren, Begleitung von Flüchtlingen zu Behörden, Patenschaften, Vermittlung zu Vereinen z. B. im Sport- und Kunst- und Kulturbereich.
Mir hat dieses Treffen Kraft gegeben und Mut gemacht, dass Bernau bürgerschaftliches Engagement zeigt. Ich möchte euch aufrufen: Macht mit bei der Willkommens-Initiative Bernau! Angst und Beklemmungen vor Fremden kann man am besten überwinden, wenn man gemeinsam mit der Gruppe Kontakte knüpft und auf die Flüchtlinge zugeht. Es sind Menschen wie du und ich. Sie brauchen unsere Hilfe und Solidarität.
Ansprechpartner für die Wilkommens-Initiative Bernau:
Frau Kuhlkamp, Herr Breitfeld, Herr Reimann, Agentur Ehrenamt, Brauerstr. 9, 16321 Bernau, Tel. 03338-3603137, E-Mail: info@ehrenamt-barnim.de