12.11.2015
Christian Schwinge
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Zur Person: Loay Alhamedi

Loay Alhamedi in seiner Unterkunft
Marzahn-Hellersdorf

Loay Alhamedi ist 22 Jahre alt und kam im März nach Berlin. Er lebt in einer Gemeinschaftsunterkunft in Marzahn-Hellersdorf und ist freiwilliger Helfer in der Notunterkunft für Geflüchtete der Volkssolidarität.

Vor seiner Flucht studierte Loay Wirtschaftswissenschaften an der Tischrin-Universität im syrischen Latakia. Weil er an Demonstrationen der Opposition teilnahm, wurde er von der Regierung gesucht. Daher entschloss er sich 2012, in seine Heimatstadt ar-Raqqa zurückzukehren und dort als Netzaktivist tätig zu werden. Später engagierte sich Loay auch als Freiwilliger bei der Stadtverwaltung von Tall Abyad. Er verteilte Essen, baute Schulen auf und sammelte Spenden für Geflüchtete aus anderen Teilen Syriens. Als der IS das Gebiet unter seine Kontrolle brachte, musste Loay in die nahegelegene Türkei fliehen, da der IS einige seiner Kollegen, die ebenfalls als Netzaktivisten tätig waren, umbrachte. Ein Jahr lang half er dort Geflüchteten aus Syrien. In einer Diskussion mit Mitgliedern der Freien Syrischen Armee, die zusammen mit der PKK gegen den IS kämpft, kritisierte er, dass die PKK nur kämpft, um das Land zu erobern und nicht um die Menschen zu befreien. Anschließend wurde er auf offener Straße von PKK-Anhängern mit Messern angegriffen. Daraufhin verließ Loay die Türkei.
Nun selbst ein Geflüchteter, kam er nach Berlin, da er Freunde hat, die hier leben. Als er im Spätsommer von der akuten Not bei der Unterbringung der Geflüchteten hörte, entschied er sich aufs Neue, zu helfen – zunächst in der Notunterkunft im Glambecker Ring. Von Anfang an ist Loay als Helfer in der Notunterkunft der Volkssolidarität in der Bitterfelder Straße dabei und tut das, was er auch in Syrien und der Türkei getan hat. Er ist fast jeden Tag vor Ort und ist mittlerweile zu einem wichtigen Mitglied der Gruppe der Freiwilligen geworden. Seine Arbeit als Übersetzer wird dringend benötigt.

Für die Zukunft wünscht sich Loay, an einem intensiven Deutschkurs teilnehmen zu können. Denn die Sprache zu lernen, ist ihm besonders wichtig. Wenn das geschafft ist möchte er wieder studieren. Diesmal Psychologie – ein Fach, das ihn seit seinen Erlebnissen im Kriegsgebiet und auf der Flucht interessiert. Bis dahin wird er weiterhin anderen Menschen helfen und die Arbeit in der Notunterkunft unterstützen.