12.11.2015
Marina Richter-Kastschajewa
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Adresse: Germany, Berlin, Marzahn-Hellersdorf

Erstes Zuhause im fremden Land?

Marzahn-Hellersdorf

Von Millionen geflüchteten Menschen sind in den letzten Monaten, Wochen, Tagen mehrere hundert Personen in Marzahn-Hellersdorf angekommen. Nach Tausenden Kilometern Flucht vor Krieg, Hunger, Elend, Perspektivlosigkeit angekommen in unserem Bezirk, im sagenumwobenen Deutschland, beim Exportweltmeister, bei der Fußballnation, im Land der Denker und Dichter - ein reiches Land.
Einige von ihnen steigen aus dem Bus in Marzahn-Hellersdorf am Glambecker Ring und werden von grölenden Nazis mit ablehnenden Gesichtern empfangen … Es schüttelt einen, bei diesen menschenverachtenden Gesten.
Einige Geflüchtete haben ein Musikinstrument und spielen, sie ignorieren die Hasstiraden dieser „auserwählten“ Deutschen, deren Worte sie sowieso nicht verstehen, deren Botschaft sie aber spüren. Kann man hier aufatmen, ist man hier in der modernen Zivilisation angekommen? Dann treffen sie erleichtert die anderen - freundliche, engagierte Marzahn-Hellersdorferinnen und Marzahn-Hellersdorfer, auch junge Leute aus Kreuzberg oder Neukölln sind bis zum Glambecker Ring gekommen, Menschen die sie mit offenen Armen lächelnd begrüßen.
Ebenso in der Bitterfelder Straße. Die ehrenamtlichen Helfer oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Projekte und die „Profis“ der Volkssolidarität als Betreiber der Unterkunft sind unermüdlich - Betten bauen, sie aufstellen, eine kleine Süßigkeit drauflegen, Spenden sortieren, Kleiderkammern einrichten, Waschmaschinen aufstellen, mit dem THW wegen der Duschcontainer telefonieren, Willkommenspäckchen mit Hygieneartikeln und manchmal einem Kuscheltier vorbereiten, die erste Mahlzeit im Essensraum anbieten … eine schier unendliche Liste anstehender Aufgaben, um das erste Zuhause im fremden Land einzurichten. Dabei verschwindet tatsächlich nicht das Lächeln aus ihren Augen, auch wenn die Füße wehtun oder die Augenringe wegen des fehlenden Schlafes dunkler werden. Ich bin voller Bewunderung und Hochachtung. Eine junge Frau bemerkte, sie sei von hier, wohne nicht weit vom Blumberger Damm und schäme sich manchmal wegen der Leute. „Aber glücklicher Weise gibt es ja uns, euch“, sagte sie in die Runde der vielen Helferinnen und Helfer.