Prof. Dr. Eva Böhm, Woltersdorf
Erschienen in: Widerspruch (Fürstenwalde, Brandenburg)

Klaus Georg Przyklenk – Malerei, Collage, Assemblage

Ausstellung im Kulturhaus Alte Schule in Woltersdorf

Woltersdorf
Klaus Georg Przyklenk beim Fachsimpeln

Jetzt – drei Jahre später – kann ich voller Genugtuung von einer erlesenen Ausstellung in diesem Haus berichten, die neben vielen anderen Aktivitäten die Lebendigkeit des Projektes beweist.

Przyklenks Werk

Dr. Klaus Georg Przyklenk, Mitglied der Woltersdorfer LINKEN, zeigte im November etwa 30 Bilder, die man als repräsentativen Einblick in sein Lebenswerk bezeichnen kann.

Geboren 1939 in Dessau, Berufsausbildung zum Gebrauchswerber, erlernte Klaus nicht zuletzt den kommunikativen Aspekt von Gestaltung, das Verlocken zum Hinsehen durch einen prägnanten, ungewöhnlichen Einfall. Das anschließende Studium der Kunsterziehung bedeutete profunde künstlerische und pädagogische
Entwicklung. Er wurde sehr bald zum Fachberater für Kunsterziehung berufen, gleichzeitig aber auch Mitglied des Verbandes Bildender Künstler. Später promovierte er am Bereich Kunsterziehung der Humboldt-Universität zu Berlin und übernahm die Aufgabe als Chefredakteur der pädagogischen Fachzeitschrift Kunsterziehung.

Von 2009 an ist er Chefredakteur der GBM-Zeitschrift ICARUS. Seit Jahren kenne und schätze ich Klaus Przyklenk in seiner leisen, zurückhaltend-ironischen Art, aber brennend für die Kunst und für eine solidarische, gerechte, friedliche Welt. Es verwundert nicht, dass er sich besonders für eine Richtung der
Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts begeistert, die mit ihrem „Dada-Manifest“ als aufbegehrende, schockierende Bewegung alle „klassische“ Kunstausübung als groß- oder kleinbürgerlich begründet infrage stellte. Gerade der revolutionäre Impetus wesentlicher Vertreter des Dada verlieh dieser Bewegung im Gewirr der Ismen und Programme jener Zeit eine weitertragende Bedeutung, nicht zuletzt durch die Ausstrahlung auf nachfolgende Künstlergenerationen – wie eben auch auf Klaus Przyklenk.

Das Weltgeschehen der Zeit (1. Weltkrieg, Oktoberrevolution, die von vielen Künstlern als Fanal verstanden wurde, neue technische Entwicklungen) erforderte und ermöglichte neue bildnerische Ausdrucksformen, die sich gegen die klassische „Staffeleimalerei“ mit ihrem festgelegten Kanon der Einheit von Material, Raum und Zeit und der damit verbundenen Ideale wenden würden. Collage, Fotomontage (man denke an John Heartfield) und Assemblage (Fixierung und Präsentation zufällig vorgefundener Alltagsgegenstände) wurden die neuen Gestaltungsfelder. Klaus Przyklenk bezeichnet sich als Fotomonteur, schafft aber nicht zuletzt eindrucksvolle Assemblagen. Dabei kommt unsere heutige Zeit ihrer Aufnahme entgegen: Mit Selbstverständlichkeit werden zeitliche und räumliche Verschränkungen, Simultanität oder obskure Kombinationen in den elektronischen Medien akzeptiert. Dieses Grundverständnis war in der Ausstellung gefragt. Bewusst aktiviert, konnten die Betrachter sich einem Hauptanliegen zuwenden: den schöpferischen Akt als solchen zu genießen, die Erfindung einer neuen Realität in der eigenwilligen Vielfalt des Bekannten und teilweise Versteckten zu entdecken und die Botschaften auf sich wirken zu lassen Man erlebt in Przyklenks Bildern die diebische Freude an der akribischen Sammlung und Zusammenstellung der Hunderte großen und
kleinen Fundstücke, mitunter Präziosen, mitunter makabre Geschichtsreliquien wie z.B. Orden. Aber auch
wassergescheuerte dicke alte Holzbohlen oder Stofffetzen erhalten ein neues Leben.

Die Fülle schafft eine lustvolle Üppigkeit, der verfremdende Einfall Vergnügen. Und zugleich geht von dem
Bild auch eine Bedrückung aus, die aus Erkenntnis und Empfindung der gesellschaftlichen Dimension der neuen Botschaft erwächst. Das ist die Dialektik im Leben und in der Kunst. Einfacher macht es der Künstler dem Betrachter nicht.

Die Ausstellung insgesamt wirkte auf mich dennoch keinesfalls vorrangig düster oder bedrohlich, auch wenn die Einheit des Bildes mitunter irritierend gestört ist und der tiefe, saugende oder sich im Nirgendwo verlierende Bildraum nicht gerade anheimelnd wirkt. Es gibt ja noch eine weitere bildkonstituierende Komponente: Die Farbe. Sie sorgt in Klaus Przyklenks Gestaltungen mit nuancenreicher Blautonigkeit und gezielt gesetzten Orange-Gelb-Goldmomenten für ein Gefühl der Besänftigung: Unser Weltbild kann nicht nur düster sein, wir wollen uns ja darauf einlassen, aus dieser Welt etwas zu machen!

Ich wünsche vielen Lesern, dass sie auch in anderen Orten die Möglichkeit haben, mit den Bildern von Klaus Przyklenk ins Zwiegespräch zu kommen.