13.10.2015
Erschienen in: DIE LINKE. in der Wetterau (Hessen)

Sind wir das Sozialamt der Welt?

Bringen uns die Flüchtlinge wirklich an die Grenzen der Belastbarkeit, wie oft behauptet wird? Nimmt Deutschland tatsächlich "die ganze Welt" auf?

Auf der Welt sind Ende 2014 insgesamt 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht (Quelle UNO). 86% der Flüchtlinge weltweit leben in Entwicklungsländern. Die allerwenigsten kommen nach Europa. Sie wollen oft in der Nähe ihrer Heimat bleiben und hoffen auf baldige Rückkehrchancen. Oder sie haben einfach keine Möglichkeit, hierher zu kommen, denn eine Flucht ist gefährlich und teuer. Außerdem gibt es kaum legale Wege nach Europa.

Von 14 Millionen Menschen, die 2014 aus ihrer Heimat vertrieben wurden, kamen 714 000 in Europa an. Nicht in Deutschland! In Europa. Das sind gerade einmal 5% aller Flüchtenden.
Also bitte: Wir sind weit davon entfernt, die ganze Welt aufzunehmen.

Derzeit verzeichnet Deutschland europaweit die meisten Asylanträge. 2014 kamen bei uns 2,5 Asylanträge auf 1000 Einwohner. Wir belegen damit europaweit Paltz 6 der Aufnahmeländer. Vor uns liegen Schweden, Ungarn, Österreich, Malta und Dänemark. Keinsfalls steht Deutschland an den Grenzen seiner Belastbarkeit.

Gabi Faulhaber, Kreistagsabgeordnete der Linken: "Wer als drittgrößter Rüstungsexporteur in der Welt Kriege schürt und daran gut verdient, muss sich nicht wundern, wenn das Elend an die eigene Tür klopft."

Flüchtlingshilfe

Im Wetteraukreis arbeitete jahrelang erfolgreich eine Flüchtlingshilfe gGmbH. Als die Flüchtlingszahlen zurückgingen, löste man sie 2009 auf. Vergeblich beantragte nun DIE LINKE, wieder eine solche Einrichtung zu gründen, weil die Kreisverwaltung mit den wachsenden Flüchtlingszahlen überfordert ist. Galubt die Koalition wirklich, man spart auf diese Weise Geld?

1 : 210

Ein Sozialarbeiter muss im Wetteraukreis 210 Flüchtlinge betreuen. Das kann nicht gut gehen. Besonders Neuankömmlinge brauchen mehr Hilfe, weil sie sich nicht auskennen. DIE LINKE hatte deshalb im Kreistag beantragt, das Betreuungsverhältnis abzusenken. Dies wurde mehrheitlich abgelehnt.