05.10.2015
Hans Weiske
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Der Arbeitskreis "Ausländer und Asyl Freiberg e.V." - seit mehr als zwei Jahrzehnten aktiv

Wir trafen uns in der Kreisgeschäftsstelle der mittelsächsischen LINKEN mit Cornelia Metzing, die es im Jahr 1986 nach der Arbeit in Leuna und dem Studium der Verfahrenstechnik in Merseburg ans Brennstoffinstitut Freiberg verschlagen hatte. Das wurde als große Forschungseinrichtung der DDR nach der Wende aufgelöst. Heute arbeitet Cornelia Metzing in einer Nachfolge-Einrichtung auf einem relativ sicheren Arbeitsplatz und mit solidem Einkommen - aber hart erkauft durch anstrengende Schichtarbeit. Und trotzdem engagiert sie sich!

Das Engagement für Asylbewerber und ausländische Studierende in Freiberg begann im Jahr 1994. Damals gelang es einer kleinen Gruppe engagierter Bürger in einem spektakulären Fall einer Mutter mit ihrer kleinen Tochter gegen den Wiederstand der Behörden das Bleiberecht in Deutschland zu sichern. Der Erfolg schweißte zusammen! Mit besonderem Engagement von Anfang an dabei: Das Ehepaar Dr. Ruth Kretzer-Braun und Dr. Johannes Kretzer, beide Mitglieder der PDS, sowie Christine Wagner, die sich aus christlichen Motiven heraus ganz stark engagierte, später aber wegen starker gesundheitlicher Probleme nicht mehr aktiv mitmachen konnte.

Die enge Zusammenarbeit der engagierten Gruppe verfestigte sich in den 90er Jahren immer mehr und führte schließlich zur offiziellen Gründung des Arbeitskreises „Ausländer und Asyl Freiberg e.V.“ Dessen Vorsitzender wurde Johannes Kretzer. Als dieser im Jahr 2002 zum Ausländerbeauftragten des Landkreises Freiberg berufen wurde, musste die Funktion der/des Vorsitzenden neu besetzt werden. Und Cornelia Metzing, von Johannes Kretzer darauf angesprochen, verweigerte sich nicht und nahm die Herausforderung an.

Zurzeit hat der Arbeitskreis 13 Mitglieder, darunter mit Ruth Fritzsche, Harald Oemichen und Brigitte Sontowski weitere aktive LINKE. Er wird durch engagierte Mitstreiter unterstützt, die allerdings den Weg in den Verein noch nicht gefunden haben. Seit Herbst ist Ali Alaoui aus Marokko mit dabei. Aber man suche weitere Helfer, vor allem für die Projektarbeit. Mit den enorm steigenden Zahlen der Asylsuchenden auch in Freiberg (Cornelia Metzing geht aktuell von 800 Personen aus) scheint die Arbeit den beteiligten Vereinen und kirchlichen Gruppen allerdings über den Kopf zu wachsen. Zumal die zuständige Mitarbeiterin im Landratsamt als Ausländerbeauftragte zusätzlich für die Fragen der Gleichstellung zuständig ist.

Im Januar hatten kirchliche Kreise in Freiberg alle mit der Asylarbeit befassten Vereine zu einem Treffen eingeladen - die Kirche war voll. Dort stimmte man sich u.a. über die Projekt- und Sozialarbeit ab.
Der Arbeitskreis konzentriert sich - so Cornelia Metzing - vor allem auf Kinder und Jugendliche. „Hausaufgabenhilfe“, „Spielen mit Kindern“ und „Flüchtlingskinder lernen Freiberg kennen“ sind Stichwort der Projektarbeit. Diese wird u.a. durch die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Bürgerstiftung Dresden unterstützt. Letztere vergibt im Auftrag der Sächsischen Staatsregierung Aufwandsentschädigungen für solche Projektträger, wie den Freiberger Arbeitskreis „Ausländer und Asyl“.

Hinweis
Die gesamte August-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/96.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .