05.10.2015
Ruth Fritzsche
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

50 Jahre Braunbuch - jetzt gibt es eine Neuauflage

Im „Neuen Neutschland“ erschien am 26. Juni unter der Überschrift „Setzen Sie mich auf Ihre Liste, Frau Rosh“ ein Beitrag aus der Feder von Matthias Krauß. In seinem Mittelpunkt steht das vor 50 Jahren - am 2. Juli 1965 - von der DDR herausgegebene berühmte Braunbuch zu den Nazi- und Kriegsverbrechern, die in der BRD zu Amt und Würden gekommen sind.

Für mich ist wichtig, endlich wieder einmal aus berufener Seite zu erfahren bzw. bestätigt zu wissen, welche Rolle Nazigrößen bis in die 60er Jahre hinein im damaligen Adenauerstaat in der BRD spielten. Als politisch interessierte DDR-Bürgerin wusste ich schon damals, dass es bei Adenauer einen Staatssekretär Globke, einen Speidel, einen Gehlen und Tausende andere Nazigrößen gab, die sich z.B. im diplomatischen Dienst breit gemacht hatten. Es freut mich, dass die zweite und erweiterte Auflage gedruckt wird. Für mich ist belastend, wenn heute im nationalen Sprachgebrauch in der jetzigen ‚BRD ständig die DDR durch den Dreck gezogen wird und so getan wird, als sei die BRD von Anfang ihres Bestehens an ein demokratischer Rechtsstaat gewesen.

Bekanntlich wird in diesem Braunbuch nachgewiesen, dass rund 2000 Entscheidungsträger im Nazistaat im BRD-Staat ebenfalls Entscheidungsträger in Staat, Wirtschaft, Verwaltung, Armee, Justiz und Wissenschaft waren. Dieses Gebahren hatte dir DDR nicht aufzuweisen. Aber Frau Lea Rosh behauptete in einem Forum, auch die DDR habe Nazigrößen in verantwortlichen Ämter gehabt. Für sie waren die ehemaligen kleinen NSDAP-Mitglieder Gerhard Beil, Manfred Ewald und Horst Stechbarth maßgebend. In diese Liste wollte nun auch Hans Bentzien aufgenommen werden. Wenn man gegenwärtig in den Medien z.B. über die in der BRD durchgeführten Auschwitzprozesse informiert wird, dann hört und sieht man, wie sich die Angeklagten gegenseitig geschützt haben und mit welcher Arroganz sie zu den Prozessen gegangen sind.
In der zweiten und erweiterten Auflage des Braunbuches legten die Herausgeber die DDR-Bilanz der juristischen Bewältigung von Nazi- und Kriegsverbrechen vor. Demnach wurden in Ostdeutschland zwischen Mai 1945 und Dezember 1964 12807 Menschen wegen Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit und wegen Kriegsverbrechen verurteilt. 118 zum Tode. 1578 wurden freigesprochen. Der einstige Mitautor Norbert Podewin ist an dieser Neuauflage beteiligt.

Hinweis
Die gesamte Juli-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/95.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .