16.09.2015
Kerstin Zillmann
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Echte Wittstocker Willkommenskultur

Viele machen mit bei der Hilfe für die Flüchtlinge

Wittstock

In der Juli-Ausgabe der Märkischen Linken berichteten wir davon, dass wir mit unseren Flüchtlingsfrauen gern in einer Schulküche kochen würden. Die Anfrage bei der Stadt wurde sofort positiv beantwortet, die Schule war auch gleich einverstanden. In diese Schule gehen auch die Flüchtlingskinder zum Deutschunterricht. Dort gibt es seit einiger Zeit eine Koch- und Back-AG, diese wird durch eine Schulsozialarbeiterin geleitet. Sie würden gern mit den Flüchtlingen gemeinsam kochen, aber es scheitert an den Finanzen. Die Flüchtlinge bekommen in Wittstock Vollverpflegung, ihnen wird dafür das Geld schon abgezogen. Sie müssten aber zum Kochen in der AG selbst einkaufen, was sie so alles dazu brauchen. Das übersteigt ihre finanziellen Möglichkeiten - unsere leider auch.

Inzwischen haben unsere fleißigen ehrenamtlichen Helfer verschiedene Ausflüge mit einigen Flüchtlingsfamilien gemacht, so z.B. zu einem Seefest nach Neuruppin, zum Mittsommerfest in Wittstock, zur Tour de Prignitz und zur Stadtführung mit Kirchturmbesteigung. Durch eine private Spende konnten Eintritt und auch mal ein kleines Eis für die Kinder bezahlt werden.

Erneut sind die Nazis gescheitert

Bereits Ende März wollten sie durch die Stadt marschieren und auch in die Siedlung, in der drei syrische Familien wohnen. An diesem Tag macht aber traditionell die Stadt ihren Frühjahrsputz, sodass die Nazis nicht auf den Markt konnten. Wir veranstalteten ein Nachbarschaftsfest in der Siedlung, sie konnten also auch dort nicht hin. Das Fest war sehr schön. Wir grillten Bratwurst, die Syrer grillten Lammwürste und Hackspieße, das Haus der Begegnung hatte jede Menge Kuchen dabei, ein syrischer Bäcker brachte Kekse und das Spielemobil war ausgebucht. Die halbe Siedlung kam dazu und es gab eine musikalische Umrahmung, zu der sogar auf Balkonen getanzt wurde. Viele Gespräche fanden statt, in verschiedenen Sprachen. Kontakte ergaben sich, die bis heute bestehen. Unterstützung bekamen wir durch den Vermieter und das Quartier-Management. Eine pensionierte Lehrerin verabredete sich mit der Tochter eines Syrers zur Nachhilfe, sie wollte in die 10. Klasse des Gymnasiums aufgenommen werden (Sie hat hart gearbeitet und die Sprachbarriere überwunden, sie hat es geschafft und darf nun die 10. Klasse besuchen).

Bei den Aktionen gegen die Nazis gab es wieder Rangeleien durch die Polizei mit unseren Jugendlichen aus dem Mittendrin. Die Polizei wollte erneut mit ungerechtfertigter Härte die Demo der Nazis schützen.

Unterstützung von unserer Ministerin

Am 14.7.15 fuhren wir zu einer Dialog-Veranstaltung in die Staatskanzlei nach Potsdam, zu der unsere Ministerin Diana Golze eingeladen hatte. Es ging um zusätzliche Fördermittel für die Projekte der ehrenamtlichen Flüchtlingsunterstützung. Es ist das erste Mal, dass wir von so einer Unterstützung durch den Landtag gehört haben. Jedes Ministerium hat aus zugewiesenen Lottomitteln eine Summe abgegeben - so sind 80.000 Euro zusammengekommen. Alles für die Hilfe, die wir ehrenamtlich leisten. Das ist eine großartige Sache, hier macht man mehr, als man muss. Jeder kann pro Projekt bis zu 1.000 Euro bekommen. Wir haben dabei auch gesehen, wie viele Unterstützer für die Flüchtlinge arbeiten. Wir trafen viele Bekannte wieder, die seit Jahren auch in Bündnissen gegen die Nazis antreten.

Bei uns sind zur Zeit drei unterschiedliche Projekte im Plan, die wir nun auch durchführen können. Verschiedene Ausflüge in die Umgebung können stattfinden, Veranstaltungen und Sportwettkämpfe sind kein Traum mehr. Der Deutschunterricht ist in Angriff genommen worden. Leider kann das Kochprojekt nicht stattfinden, denn für Lebensmittel gibt es keine Förderung. Reiterhof und Tierpark, Dampferfahrt und Bowlingbahn, alles kann nun geplant werden. Ich persönlich hätte auch sehr gern Kinder dabei, die wegen Hartz IV so etwas nicht machen können. Ob sich da noch was ergibt?