16.09.2015
Marco Christian Wiese (MaC)
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Wem gehört das Land – Bodenpolitik gestern und heute

Diskussion der historischen Ereignisse im Nachkriegsherbst 1945

Fehrbellin

Am Dienstag, den 2. September wurde sich in Kyritz gleich auf drei Veranstaltungen mit der demokratischen Bodenreform von 1945 in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone beschäftigt. Hier hielt Wilhelm Pieck (KPD) seine entsprechende Rede und nahm dabei Bezug auf die sogenannten »vier D‘s«, welche bei allen alliierten Siegermächten als konsensuelle (übereinstimmende) Zielstellung galt: Demilitarisierung, Denazifizierung, Dekartellisierung und Demokratisierung. Auch Dieter Groß, als Vertreter der Linkspartei, fand 70 Jahre später am Denkmal in Kyritz treffende Worte in Erinnerung an jenen historischen Prozess.

Nur wenig später gaben sich politische Gegner der Bodenreform die zweifelhafte Ehre, am Denkmal den Beschluss der vier demokratischen Parteien im Osten Deutschlands zu verunglimpfen. Vor allem die Arbeitsgemeinschaft Recht und Eigentum war hier maßgeblich, die aus 18 teilweise offen antikommunistischen Mitglieds- und Kooperationsverbänden besteht und deren Funktionsträger gerne noch ein »von« im Namen pflegen. Einige wenige ihrer AnhängerInnen fanden auch den Weg zur Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im nahe gelegenen Gymnasium, um ihrer Kritik Nachdruck zu verleihen. Die dort Anwesenden hielten in der Debattenrunde argumentativ überzeugend dagegen, ehrten eine Zeitzeugin und es gab eine historische Einführung von zwei Referenten.

Zum einen wurde der sich seit Ende des Kalten Krieges entwickelnde Konsens in der wissenschaftlichen Bewertung der Bodenreform als »radikal, aber nicht kommunistische Maßnahme« dargestellt, um die medial dennoch fortgeführten Angriffe - vor allem durch die Alteigentümer initiiert - als ideologisch und von Kapitalinteressen geprägt zu entlarven. Zum anderen konnte der politische Abwehrkampf der SED-Übergangsregierung sowie der späteren PDS gegen das Agrarkartell aus CDU/ CSU, (Groß)Bauernverband und Alteigentümern nachvollzogen werden, bei dem es um nichts geringeres als die reaktionäre Privatisierung des Bodens zum Zwecke des leistungslosen Profits (in Form von Pachteinnahmen) ging.

Interessante Vorträge waren zu hören

In der darauffolgenden, oben erwähnten, Diskussion wurde sich durch Untersuchung der politischen, sozialen, historischen und ökonomischen Dimensionen der Bodenreform der Frage nach Recht- oder Unrechtmäßigkeit der entschädigungslosen Enteignung der damaligen Junkerkaste (mit mehr als 100 Hektar Landbesitz) zugunsten von Klein- und Neubauern genähert.

In einer zweiten Podiumsdiskussion mit dem zahlreich erschienenen Publikum konnte die Brücke zu aktuellen Prozessen, wie dem sog. land-grabbing (der weltweiten Aneignung von ehemals staatlichen oder kleinbäuerlichen Agrarflächen durch Konzerne) geschlagen werden. So erfuhren Interessierte bspw. von der Arbeit der LINKEN auf allen institutionellen Ebenen zum Thema Bodenbewirtschaftung.

Leider ließen sich die ReferentInnen nicht auf die spekulative Frage nach möglichen Auswirkungen einer Bodenreform heutzutage ein, wodurch es versäumt wurde, einen visionären Ausblick zu skizzieren. Dennoch ist die Erinnerung an die Bodenreform als grundlegender Teil einer proletarischen Revolution - trotz der Initiierung von »oben«, wie jemand aus dem Publikum anmerkte, gelungen und konnte auch jüngere GenossInnen überzeugen, sich mit dem Thema näher auseinanderzusetzen.

Neben den Veranstaltern und den Vortragenden ist besonderer Dank auch an Lothar Weigelt zu richten, dessen umrahmende Ausstellung das informative Sahnehäubchen an diesem Tag war.