04.09.2015
Mario Hausmann
Erschienen in: Erkner–ungefiltert (Erkner, Brandenburg)

Erkner, Wohnstadt der langen Wege?

Seit geraumer Zeit jedoch besteht die Tendenz, dass sich Erkner von der „Stadt im Grünen“ zu einer reinen Wohn- und Supermarktstadt mit langen Wegen entwickelt.

Mario Hausmann
Erkner

„Die Apotheke, mein Arzt und der Supermarkt. Eigentlich habe ich hier alles, was ich brauche. Den Frisör darf ich nicht vergessen“, sagte mir kürzlich eine ältere Anwohnerin der Bahnhofsiedlung, die ich flüchtig kenne. Mit der Auflistung der Geschäfte und Dienstleister meinte sie das große gelbe Geschäftsgebäude in Richtung Woltersdorf. Vor Jahren wurde hier die Post­filiale geschlossen. Seitdem steht die Fläche leer. Nächste Anlaufstelle: Filiale Friedrichstraße.


Nicht nur die Dame sorgt sich um die Zukunft fußläufig erreichbarer Einkaufsmöglichkeiten, angesichts der Eröffnung des City Centers in der Friedrichstraße in diesen Tagen. Man wünscht jedem Geschäftsmann und jeder Geschäftsfrau in Erkner Erfolg. Allerdings ist zu befürchten, dass Kaufkraft sich zunehmend auf die Innenstadt konzentriert und dies Läden und Dienstleister in der Peripherie bedrohen wird. Gerade ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger, Gehbehinderte und Personen ohne Führerschein sind aber auf genau diese angewiesen.

Nächste Baustelle: Das „Gesundheits-, Behörden- und Handelszentrum“ am Bahnhof Erkner. Erinnert sei an die Zeit unmittelbar vor der Kommunalwahl 2014, als gleich mehrere sozial­demokratische Kandidatinnen und Kandidaten stolz und mit Nachdruck auf ihren Werbeflyern für „das Gesundheitszentrum am Bahnhof“ auf Stimmenfang gingen. In der letzten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 30. Juni 2015 brachte der Bürgermeister eine Beschlussvorlage ein, in der die Stadtverordneten u. a. wegen eines veränderten „Geltungsbereiches des Plangebietes“ einen neuen Aufstellungsbeschluss verabschiedeten. Der vorherige Investor gab die Bebauung des brachliegenden Grundstückes von über einem Hektar im Jahr zuvor auf.
Der neue Aufstellungsbeschluss besagt lediglich, dass die Bebauungsplanung (B-Plan) angegangen werden kann, also was der neue Investor dort bauen möchte und darf. Dieser B-Plan wird dann den Stadtverordneten zur Bewertung und Abstimmung vorgelegt. Unsere Fraktion forderte die Veräußerung einer stadteigenen Teilfläche an die Bedingungen zu knüpfen, für zusätzliche Fahrrad- und PKW-Stellplätze zu sorgen – siehe Erkner-ungefiltert, 1/2015. Dies wurde von den Fraktionen der SPD und der CDU abgelehnt.
Denken wir an das Gebäude an der Woltersdorfer Landstraße, in dem sich auch ein Supermarkt und eine Apotheke befinden. Hier stellt sich die Frage: Wird dies alles erhalten bleiben? Der Bereich „Gesundheit“ indes scheint nur noch pro forma im Namen des „Gesundheits-, Behörden- und Handelszentrums“ zu stehen. Mit einem Umzug bestehender oder Einzug neuen Praxen ist kaum zu rechen. Bürgermeister Kirsch (SPD) scheint sich von einem Gesundheitszentrum mit einem umfassenden Angebot gerade für ältere Bürger verabschiedet zu haben.

Grundsätzlich: DIE LINKE setzt sich für ein Erkner ein, in dem Alt und Jung etwas geboten wird. Seit geraumer Zeit jedoch besteht die Tendenz, dass sich Erkner von der „Stadt im Grünen“ zu einer reinen Wohn- und Supermarktstadt mit langen Wegen entwickelt. Die Einzelhändler finden sich schon bald mit einem Verdrängungswettbewerb konfrontiert, der zu Lasten der älteren Erkneranerinnen und Erkneraner geht, die weiter weg vom Stadtzentrum wohnen. Verkehr und Smog wird weiter zunehmen. Vor allem in der Friedrichstraße droht ein regelrechter Lärm-/Smogkessel.
DIE LINKE steht weiter bereit, ihre Fragen und Probleme zur Sprache zu bringen und Ihnen zu helfen. Wenden Sie sich jederzeit an uns.

Mario Hausmann,
stellv. Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE, Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauplanung, Natur- und Umweltschutz, Verkehr; parteilos; E-Mail: mario_hausmann@gmx.de