09.04.2014
Sebastian Walter
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Finowfurt Nazifrei

Eine Erfolgsgeschichte des friedlichen Protestes

Finowfurt/Barnim

Über sieben Jahre war Finowfurt das Zentrum des Rechtsrocks in Brandenburg. Dutzende Konzerte fanden jedes Jahr in der Schorfheidegemeinde statt und hunderte alte und neue Nazis verbreiteten ihre Propaganda in dem kleinen Ort. Jahrelang gab es nur sehr wenig und zu meist unorganisierten Protest. Die Zivilgesellschaft musste erst Mut fassen, Angst vor den Auswirkungen von Protest gegen Nazis war alltäglich.

Im April letzten Jahres wurde bekannt, dass ein in so einer Größe nie dagewesenes Konzertfestival mit 12 Bands und tausenden erwarteten Rechten geplant war. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Es musste endlich ein deutliches Zeichen auf der Straße gesetzt werden – aber gemeinsam mit den Menschen vor Ort!
Deshalb gründete sich die Initiative „Finowfurt Nazifrei". Die Akteure aus den verschiedensten Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisationen hatten sich zum Ziel gesetzt, „den Nazis den Stecker zu ziehen" und endgültig Schluss zu machen mit der menschenverachtenden Propaganda in Finowfurt. Der Wallfahrtsort sollte der Geschichte angehören.

In enger Abstimmung mit der Gemeinde und der Initiative BUNTE Schorfheide wurde zu einer Demonstration im Mai am Tag des Konzerts aufgerufen. Und es folgten über tausend Menschen diesem Aufruf. Das erste mal konnten ein Großteil der Zufahrtswege blockiert werden und die Rechten mussten weite Umwege in Kauf nehmen.

Weitere Proteste folgten, ein Konzert musste sogar abgesagt. In diesem Jahr sind bisher keine Konzerte geplant. Das ist ein Erfolg der Menschen vor Ort, die deutlich machten, dass sie auch bereit sind mit zivilem Ungehorsam ein deutliches Zeichen zu setzen, gegen Nazis in Finowfurt oder auch an anderen Orten. Die verschiedenen Bündnisse haben sich nicht auseinanderdividieren lassen, sondern waren gemeinsam friedlich und kreativ auf der Straße und widersetzten sich den Nazis! Jetzt schon kann Finowfurt und der Protest als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Solange aber das Nazigrundstück noch in Finowfurt besteht, werden die Initiativen wachsam sein.