29.04.2015
Margot Ziemann
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Schalom und Alefbet

Autor Dirk Külow zu Gast bei „Offene Worte mit Dagmar Enkelmann“ in Bernau

Bernau/Barnim

Über die Geschichte des Jüdischen Gymnasiums in Berlin berichtete der 52-jährige Historiker und Publizist Dirk Külow bei den „Offenen Worten mit Dagmar Enkelmann“ Ende März in Bernau. Das Thema habe ihn gefesselt, so Dirk Külow, seit sein Sohn Frederic dieses Gymnasium besuche. Mehrere Jahre habe er recherchiert, nach Quellen gesucht. Das sei nicht so einfach gewesen, da die Chroniken vernichtet waren, nur wenige Zeitzeugen den Holocaust überlebten.
Ausgangspunkt der Geschichte ist die 1778 auf Anregung des berühmten Philosophen und Schriftstellers Moses Mendelssohn (1729-1786) gegründete erste jüdische Freischule in Deutschland. 1934 zählte die Schule in der Großen Hamburger Straße mehr als 1000 Schülerinnen und Schüler. 1942 wurde sie von den Nazis in ein Deportationslager verwandelt. Viele Berliner Juden mussten von hier aus ihren Weg in die Vernichtungslager antreten. „Ich wollte mit meinem Buch den Schülern und Lehrern, die bis 1942 an der Schule waren, ein kleines Denkmal setzen“, so Dirk Külow.
Zu DDR-Zeiten als Berufsschule genutzt, wurde in dem Gebäude Mitte 1993 wieder eine Jüdische Oberschule gegründet. Seit 2012 heißt sie Jüdisches Gymnasium „Moses Mendelssohn“, sie ist eine staatlich anerkannte Privatschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Die einzige ihrer Art zurzeit in Deutschland, so Külow. Mehr als 420 Schülerinnen und Schüler werden hier nach Berliner Rahmenplänen unterrichtet, etwa zwei Drittel sind jüdisch geprägt. Religion und Hebräisch sind Pflichtfächer. Aber gleichzeitig erfahre sein Sohn hier Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Nationen und Konfessionen, da die Schule international geprägt ist und offen für alle, die sich nicht zur jüdischen Religion bekennen, so Dirk Külow.
Von Dagmar Enkelmann zu seiner eigenen Geschichte und Biografie befragt, erzählt Külow von seinem Vater, Edgar Külow, der bekannte Schauspieler, Texter und Kabarettist, der die Leipziger „Pfeffermühle“ leitete. Bis zu seinem Tod 2012 sei er ein linker Intellektueller und Mitglied der Partei DIE LINKE geblieben. Davon wurde die ganze Familie beeinflusst. Sein Bruder Volker sei heute Stadtvorsitzender der LINKEN in Leipzig.
Dirk Külow selbst studierte Geschichte an der Leipziger Universität. „Das verbindet uns“, stellte Dagmar Enkelmann fest. Külow arbeitete als Redakteur beim Fernsehen, als freier Publizist, erstellte Chroniken. Von 2005 bis 2014 war er Marketingleiter beim Neuen Deutschland und leitete auch die Digitalisierung des Zeitungsarchives ein. Die Tageszeitung gehörte zu den ersten, die ein vollständig digitalisiertes Archiv seit der Zeit ihrer Gründung vorweisen können. Etwas, worauf Dirk Külow stolz sein kann.
Der Dokumentarband „Schalom und Alefbet“ Die Geschichte des Jüdischen Gymnasiums in Berlin, Verlag Hentrich & Hentrich, 2014, ISBN : 978-3-95565 – 030-8, 24,90 € ist über den Buchhandel zu beziehen.