23.08.2015
Kerstin Zillmann
Erschienen in: Märkische Linke (LINKE Ostprignitz-Ruppin, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg)

Wenn man will, findet man Wege

Die Hilfsbereitschaft für die Flüchtlinge in Wittstock ist groß

Wittstock

Im Januar 2015 wollten die Nazis in Wittstock eine Mahnwache abhalten. Wir meldeten spontan einen bunten Infostand am Rand des Marktes an. Info-Materialien, bunte Schals mit dem Logo unseres Bündnisses, buntes Gemüse, Kuchen, Tee und Kaffee standen bereit. Viele Menschen beteiligten sich daran. Die Nazis wollten vor dem Rathaus stehen. Als sie uns aber sahen, hatten sie plötzlich Lust, ihre Mahnwache in einen Marsch durch die Stadt umzumelden. Komischerweise erlaubte es ihnen die Polizei. Der Grund war, die Nazis wollten nicht neben uns stehen. Wir waren ihnen wieder einmal ein Dorn im Auge. Trotzdem waren wir eine lustige Runde, auch wenn es sehr kalt war.

Drei PKW-Ladungen Spielzeug

Im März bekamen wir die Nachricht, dass ab 1. April wieder Flüchtlinge im B3 einziehen, diesmal auf unbestimmte Zeit. Einige aus unserem Bündnis empfingen sie am B3 herzlich. Auch diesmal waren etliche Kinder aller Altersgruppen dabei. Ein paar Tage später machten wir einen Spendenaufruf für Spielzeug für draußen, davon war noch nichts vorhanden. Die Spender konnten die Sachen im Büro der LINKEN in Wittstock abgeben. In kurzer Zeit kamen 3 Pkw-Ladungen zusammen. Dreirad, Roller, Schaukel, Puppenwagen mit Puppen, Bälle, Federballspiel und vieles andere war dabei. Auch ein paar Fahrräder in verschiedenen Größen wurden gespendet.

Als ich die erste Ladung zu den Kindern brachte, war die Freude riesig. Sofort begannen sie mit dem Spielen. Dabei waren die Fußbälle das allerwichtigste, auch die jungen Männer spielten mit. Und schon war es passiert, die Bälle lagen auf dem Dach des B3. Also kletterten 2 Männer hoch. Ich dachte mir, das kann ja nicht die Lösung sein. Also sah ich mich um nach einem Platz zum Fußball spielen. Hinter dem B3 ist eine große Wiese, das könnte gehen. Bis zur Klärung mit der Stadt als Besitzer sind wir zum Spielplatz am Dosseteich gegangen, um auch den kleinen Kindern Freude und Abwechslung zu bringen. Sie hatten dort viel Spaß und so manches Mal mussten Izabela Dolinska und ich einen kleinen Knirps zum B3 zurücktragen, weil sie einfach nicht aufhören wollten.

Keine Probleme beim Zusammensein

Dann kam die Idee, den Sportplatz an der Förderschule zu mieten, sie ist ja gerade gegenüber dem B3. Der Landkreis ist der Träger dieser Schule. Die Anfrage an das Liegenschaftsamt und die Übergabe des Schlüssels erfolgten komplikationslos noch in der gleichen Woche. Sofort starteten wir die Aktion und probierten den Sport- und Spielplatz aus - voller Erfolg!

Aber jeden Tag können Izabela und ich das auch nicht machen. Wir arbeiten beide und haben ja schließlich noch Familien. Also hieß es, den nächsten Aufruf zu starten - ehrenamtliche Helfer werden gebraucht. Die Menschen dürfen ja nur unter Aufsicht von uns dorthin (als wären sie nicht zurechnungsfähig...). Und wieder fanden sich 4 weitere Helfer, sodass wir nun den Spielplatz fast jeden Tag öffnen können. Immer sind die Kinder sofort mit dem Spielzeug unterwegs und die jungen Männer schlüpfen in ihre Latschen zum Fußball spielen, wenn einer von uns auftaucht.

Beim Spielen von Groß und Klein können wir beobachten, das sie, gelöst für ein paar Stunden, ihre Sorgen vergessen, die Afghanen und Syrer spielen mit den Albanern, Tschetschenen und Mazedoniern. Ohne Glaubenskonflikt, ohne Stress spielen sie zusammen, eben alles Menschen. Es geht ohne Streit und Zank, ganz einfach. Und auch beim gemeinsamen Grillen konnte man es sehen. Da lag doch tatsächlich das Schweinekotelett neben den Hähnchenschenkeln auf dem Grill. Die Moslems hatten nichts dagegen. Der Albaner hat vorher gefragt und es gab überhaupt kein Problem.

Sie sollen sich wohlfühlen

Wenn die Männer mit den Kindern zum Spielen gehen, sind die Frauen unterwegs zu Izabela nach Hause. Dort wird landestypisch gekocht und gebacken. Nach dem Spielen gibt es dann schon mal eine freudige Überraschung, wenn die Frauen zurückkommen. Endlich mal nicht nur Salami und Toastbrot, endlich mal wieder was aus der landestypischen Küche. Denn auch wenn sie geflüchtet sind, haben sie Sehnsucht, das gewohnte zu essen. Nur reicht ihr Geld nie aus, um sich diese Wünsche erfüllen zu können. Unser Vorhaben ist ja noch, ihnen diesen Wunsch komplett zu erfüllen. Doch dazu brauchen wir eine Küche mit mindestens 4 Kochherden. Da frag ich doch gleich mal bei einer Schule an, das müsste doch zu machen sein...