04.05.2015
Dagmar Pohle
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Zum 8. Mai 1945

Gedenken anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung

Am 21. April 2015 Ehrung am Haus Landsberger Allee 563 in Marzahn-Hellersdorf
Marzahn-Hellersdorf

Anlässlich des 40 Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus im Jahre 1985 sprach der damalige Bundespräsident etwas aus, was in der offiziellen Bundesrepublik Deutschland bis dato als unaussprechlich galt: »Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.« Diese als „historisch“ gepriesene Rede wurde in der Vergangenheit vielfach gelobt und zitiert.
Allerdings hat sie offensichtlich in den letzten Jahren ihre Wirkung für jüngere Mitglieder der Partei, der auch Herr von Weizsäcker angehörte, oder der Partei, die mit der erstgenannten koaliert, ihre Wirkung verloren.
Der offizielle Einladungstext der Vorsteherin der BVV Marzahn-Hellersdorf zur diesjährigen Gedenkveranstaltung anlässlich des 70. Jahrestages lautet:
„Die Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf von Berlin begeht alljährlich das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945. Zur diesjährigen Kranzniederlegung am Samstag, dem 9. Mai, um 10.00 Uhr auf dem Parkfriedhof Marzahn, Wiesenburger Weg 10, 12681 Berlin sowie um 11.30 Uhr an der Gedenkstätte in der Brodauer Straße, 12621 Berlin lädt die Vorsteherin der BVV Marzahn-Hellersdorf, Frau Kathrin Bernikas, recht herzlich ein.
Gemeinsam wird der Millionen Opfer dieses Krieges gedacht und aller, die ihr Leben, ihre Gesundheit, ihre Angehörigen, ihre Heimat verloren haben.“
Kein Wort zum Tag der Befreiung, auch des deutschen Volkes, vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, kein Wort von den unermesslichen Opfern der Roten Armee und der alliierten Armeen.
Wie anders klingen dann die Worte Richard von Weizsäckers aus seiner historischen Rede: »Wir gedenken heute in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft.
Wir gedenken insbesondere der sechs Millionen Juden, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden.
Wir gedenken aller Völker, die im Krieg gelitten haben, vor allem der unsäglich vielen Bürger der Sowjetunion und der Polen, die ihr Leben verloren haben.
Als Deutsche gedenken wir in Trauer der eigenen Landsleute, die als Soldaten, bei den Fliegerangriffen in der Heimat, in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind.
Wir gedenken der ermordeten Sinti und Roma, der getöteten Homosexuellen, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen oder politischen Überzeugungen sterben mussten.
Wir gedenken der erschossenen Geiseln.
Wir denken an die Opfer des Widerstandes in allen von uns besetzten Staaten.
Als Deutsche ehren wir das Andenken der Opfer des deutschen Widerstandes, des bürgerlichen, des militärischen und des glaubensbegründeten, des Widerstandes in der Arbeiterschaft und bei Gewerkschaften, des Widerstandes der Kommunisten.
Wir gedenken derer, die nicht aktiv Widerstand leisteten, aber eher den Tod hinnahmen, als ihr Gewissen zu beugen.«

Vor wenigen Wochen habe ich einen Artikel von Götz Aly an die BVV-Vorsteherin geschickt, den er gegen all das Vergessen in der »Berliner Zeitung« geschrieben und mit folgendem Vorschlag versehen hat: Möglichst viele mögen am 9. Mai 2015 vormittags Blumen niederlegen: »Eine Blaskapelle sollte zuerst Trauermusik intonieren und dann Stücke spielen, die der Freude über die Befreiung Schwung geben.«
Ich hoffe, wir werden viele sein, die in diesem Sinne des 70. Jahrestages der Befreiung vom Hitlerfaschismus gedenken!