27.04.2015
Achim Grunke
Erschienen in: Mittelsächsische LinksWorte (Mittelsachsen, Sachsen)

Interesse an politischer Bildung

Achim Grunke - unser Autor

Wer hat überhaupt Interesse an politischer Bildung? Wer liest eigentlich die etwas umfangreicheren Beiträge im NEUEN DEUTSCHLAND zu grundlegenden gesellschaftspolitischen oder zu historischen Themen? Wer hat schon mal auf dem INTERNETPORTAL unter www.die-linke.de/partei/politische-bildung nachgesehen? Dort wird etwas über Zielstellung und Strukturen der politischen Bildungsarbeit in der Partei gesagt. Die beim Parteivorstand tätige Kommission für politische Bildung informiert über Seminare und Veranstaltungen, die unter ihrer Regie geplant sind und wo sich jedes Parteimitglied und auch Sympathisanten anmelden können. Außerdem können aus dem Internetangebot auch direkt Bildungsmaterialien herunterladen werden.

Nicht zu vergessen seien für die politische Bildungsarbeit die Angebote der parteinahen Bildungsvereine wie der ROSA-LUXEMBURG-STIFTUNG und dem KOMMUNALPOLTISCHEN FORUM. Aber nicht jeder hat immer Zeit und Gelegenheit zu den zentral stattfindenden Veranstaltungen zu fahren.

Deshalb wäre es durchaus sinnvoll, politische Bildung in der Partei auch auf lokaler Ebene, etwa über die Ortsverbände, zu organisieren. Hier kann, auch in kleinen Gesprächsrunden, unter einer thematischen Zielsetzung der ungezwungene Gedankenaustausch unter Genossen und Sympathisanten stattfinden, ohne dass ein vorn stehender Referent absolute Wahrheiten verkündet. Da werden auch keine Beschlüsse gefasst, da soll kein „Parteilehrjahr 2.0“ stattfinden, da wird es auch keine „ideologischen Unterweisungen“ geben. Themen für solche „Bildungsabende“, wie sie früher in der Arbeiterbewegung hießen, gäbe es mehr als genug. Nehmen wir nur unser Erfurter Parteiprogramm her: es gibt den Mitgliedern der Partei freilich eine politische Grundorientierung, lässt aber gleichzeitig doch viele Fragen offen: Wie kann Demokratischer Sozialismus im 21. Jahrhundert erreicht werden? Wie kann die Eigentumsfrage im globalisierten Kapitalismus gelöst werden? usw. Aber auch zu bestimmten Themen der Geschichte der Arbeiterbewegung und der DDR-Geschichte gibt es immer noch Legenden und Missverständnisse, die weiter aufgeklärt werden müssen. Die fortwährende Beschäftigung mit unserer eigenen Geschichte folgt keinem Selbstzweck, sondern ist eine Voraussetzung für sicheres und souveränes Auftreten in politischen Diskursen.

Hinweis
Die gesamte April-Ausgabe der LinksWorte ist unter www.linksworte-mittelsachsen.de/ausgaben/92.pdf zu finden. Frühere Ausgaben sind archiviert unter www.linksworte-mittelsachsen.de/archiv.html .