02.04.2015
Dr. Gabriele Hiller
Erschienen in: Marzahn-Hellersdorf links (DIE LINKE. Berlin, Berlin, Berlin)

Immer wieder in der Schule

Was hat sich in den Schulen im Bezirk verändert?

Dr. Gabriele Hiller ist im Marzahn-Hellersdorfer Wahlkreis 3 direkt gewählte Abgeordnete
Marzahn-Hellersdorf

Seit Beginn dieses Jahres besuche ich, gelernte Lehrerin, die Schulen meines Wahlkreises in Hellersdorf-Nord und -Ost. Das ist eine richtig gute Idee, so finde ich. Das Sartre-Gymnasium, die Pusteblume-GS, die Haeckel-Schule und die Wachsmann-Schule habe ich bereits angeschaut, andere, wie die Mozart-Gemeinschaftsschule und die Piaget-Schule stehen noch bevor. Selbstverständlich kenne ich die meisten Schulen hier nicht nur von außen, und natürlich kenne ich überall LehrerInnen, Eltern, MitarbeiterInnen, manchmal ehemalige SchülerInnen, die hier arbeiten. Und dennoch – es gab in den vergangenen Jahren einschneidende Veränderungen im Sozialraum, die ganz besonders in den Schulen erkennbar sind und die ich aufmerksam zur Kenntnis nehme. Da ist zum einen die gewachsene Zahl von Kindern, die von der Schulbuchfinanzierung befreit sind. Diese beträgt in allen Schulen hier mehr als 40 %, in manchen fast 90 %. Es sind also z.T. Kinder, die noch nie erlebt haben, dass ihre Eltern morgens zur Arbeit gehen. Kinder von alleinerziehenden, manchmal sehr jungen Müttern. Dass diese oft Schwierigkeiten haben, Probleme ihrer Kinder in der Schule zu erkennen und zu klären, ist offensichtlich. Bedauerlich finde ich, dass das Angebot an alle Kinder zur Teilnahme am Schulessen so wenig genutzt wird. Oft wird es durch die Eltern versäumt, den Berlin-Pass für sozial Bedürftige zu beantragen. Dieser aber erst ermöglicht z.B. auch die Teilnahme an der Schulspeisung für täglich nur einen Euro. Es ist ein Dilemma, dass Kinder in Hellersdorfer Schulen hungern! Nicht nur, dass sie ohne Frühstück in den Tag starten, auch ein gesundes Mittagessen wird ihnen durch Untätigkeit ihrer Eltern verwehrt. Hier gibt es auch einen großen politischen Handlungsbedarf. Ich erkenne, dass LehrerInnen allein die Probleme nicht lösen werden. SozialarbeiterInnen gibt es zu wenig, außerhalb der Schulen im sozialen Brennpunkt sind das eben nur 1,5 Stellen pro Schule, die zur Verfügung stehen. Für eine Schule, in der die Kinder mehr als nur Wissen erwerben, sondern auch Konfliktbewältigung, Berufsvorbereitung und Methodentraining lernen sollen, ist das viel zu wenig, so erfahre ich. Die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund ist in allen Schulen deutlich gestiegen. Ob nun Kinder aus vietnamesischen oder polnischen Familien, aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion oder Flüchtlinge aus Syrien – es treffen sehr unterschiedliche Kulturen und Erwartungen aufeinander, die die Arbeit mit Eltern und Kindern schwierig gestalten. Apropos Eltern – hier ist eine große „Schwellenangst“ zu bemerken, die Eltern davon abhält ihre Probleme bei der Erziehung zu benennen und gemeinsam mit Lehrern anzugehen. Ein gutes Bespiel, wie dem entgegen gewirkt werden kann, bietet das Eltern-Cafe, z.B. an der Pusteblume-GS, welches mit Hilfe des Quartiersmanagments und der Alice-Salomon-Hochschule betrieben wird. Ein Beispiel, so finde ich, welches verstetigt werden sollte, ebenso wie die Zusammenarbeit mit Sportvereinen und Bibliotheken. Aber auch hier zeigt sich: Die Sonderprogramme und Einzelmaßnahmen, die es gibt, helfen nur punktuell bei Problemlösungen. Eine bessere, kontinuierliche Unterstützung der Schulen in den Bereichen Flüchtlingskinder, Schulsozialarbeit, Schulspeisung, Inklusion ist notwendig, damit LehrerInnen sich auf das konzentrieren können, was ihre vordringliche Aufgabe ist – das Vermitteln von Bildung.
Vielen Dank an alle, die das mit großer Hingabe, mit Engagement, Enthusiasmus und Optimismus tun! Und danke für die vielen Anregungen, die ich aus den Gesprächen in den Hellersdorfer Schulen für meine politische Arbeit gewonnen habe.