25.03.2015
Bianka Wandersleb
Erschienen in: KONKRETer (Kyffhäuserkreis, Thüringen)

Gedanken zum Frauentag

Am 8. März wird er wieder begangen, der internationale Frauentag. Mit mehr oder weniger guten Reden, mit Essen und Trinken, etwas Kultur und hoffentlich auch Politik.

Ursprünglich war der Frauentag ein Kampftag für das Frauenwahlrecht, bekam aber immer mehr Bedeutung für den Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen.

Doch wo sind wir heute, mehr als hundert Jahre später?

Frauen stellen die Hälfte der Weltbevölkerung, verrichten 2/3 der Arbeitsstunden, erzielen aber nur 1/10 des Welteinkommens und haben weniger als 1/100 des Vermögens. Auf den Frauen lastet immer noch der größere Teil der Hausarbeit, der Kindererziehung, der Pflege von Familienangehörigen, auch wenn sie berufstätig sind. Trotz gleicher oder besserer Qualifikation werden sie schlechter bezahlt und seltener befördert. Jede dritte Frau wird in ihrem Leben einmal vergewaltigt, geschlagen oder auf andere Weise misshandelt. Gewalt in Ehe und Partnerschaft ist in vielen Teilen der Welt an der Tagesordnung. Viele Frauen leiden unter kulturell oder religiös begründeter Gewalt, jedes Jahr erleiden 2 Mio Mädchen eine Genitalverstümmelung, viele werden wegen der Mitgift getötet, 60 Mio. weibliche Föten wurden in den letzten Jahren abgetrieben, Mädchen und Frauen werden aus Gründen der „Ehre“ oftmals von ihren eigenen Familien umgebracht. Millionen junger Frauen geraten in die Fänge von Menschenhändlern, die sie zum Zweck der Prostitution verkaufen und in Kriegen gibt es immer wieder Vergewaltigungen.

Aber auch bei uns ist es mit der Gleichberechtigung noch problematisch, obwohl im Grundgesetz festgeschrieben. Auch bei uns bleibt der größte Teil der Familienarbeit bei den Frauen hängen, obwohl die meisten arbeiten gehen. Das traditionelle Familienbild ist noch viel zu sehr in der Gesellschaft verhaftet, so dass vor allem im westlichen Teil der Bundesrepublik nicht genügend Betreuungsplätze für Kinder vorhanden sind. Gut ausgebildete Frauen müssen sich zwischen Familie oder Karriere entscheiden.

Schon kleine Kinder werden durch die Werbung und Spielzeugindustrie auf ihre zukünftige Rolle vorbereitet, wenn Eltern ihren Töchtern rosa Überraschungseier kaufen oder sie ins „Barbie-Traumhaus“ schleppen, muss man sich nicht wundern, wenn sich auch in hundert Jahren noch nicht viel geändert haben wird.

Also liebe Frauen, feiert den Frauentag, aber vergesst auch nicht zu kämpfen!