05.03.2014
Von Waltraut Werner
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Whiteboards ja, aber ...

Eine Lehrerin über Folgekosten und andere Ausstattungen

Barnim

Die modernen Medien haben längst Einzug ins Klassenzimmer gehalten. Elektronische Whiteboards (Smartboards) sind der neueste Trend. Hier kann nicht nur (mit speziellen farbigen Filzstiften) geschrieben werden – in Verbindung mit Computer und Beamer eröffnen sich völlig neue Wege für eine Lehrstofferarbeitung. Einmal erarbeitete Tafelbilder können gespeichert und jederzeit wiederverwendet werden.

Die – offiziell abgestrittene – Koalition von SPD und CDU im Kreistag hat ein kreisliches Förderprogramm beschlossen, mit dem Schulen im Landkreis zur Anschaffung von elektronischen Whitebords ermutigt werden sollen. Monate später wunderten sich genau diese Initiatoren, dass diese Fördermittel nicht abgerufen wurden.

Dabei gibt es dafür eine ganz normale Erklärung: Das Förderprogramm geht schlicht an den Bedingungen in der Realität vorbei. Gespräche mit meinen Fachkollegen bestätigten meinen Eindruck:

1. Eine Ausstattung von mindestens 80 Prozent der Klassenräume entspricht nicht dem Bedarf. Für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 reicht die Ausstattung der Klassenräume mit normalen Schultafeln aus. Hier sollen zuerst grundlegende Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermittelt und erworben werden. Dieses Fördermittelprogramm schließt durch die 80-Prozent-Bedingung also bereits Grundschulen aus.

2. Die Anschaffungskosten von rund 4.000 € je Board sind nicht zu unterschätzen. Die für Einbau und Nutzung notwendigen Nebenkosten sind jedoch nicht förderfähig. Für kompartible Hardware, Software, Verkabelung und Bauleistung sind schnell weitere 5.000 € je Board erreicht. Hier schließt das Förderprogramm die Kommunen aus, welche Eigenmittel in dieser Höhe einfach nicht mehr aufbringen können.

3. Voraussetzung für den Einsatz von Smartboards ist das richtige Bedienen der Technik. Auch hier gibt es großen Nachholebedarf; insbesondere bei älteren Lehrerinnen und Lehrern.

4. Probleme ergeben sich auch beim Ausfall der Technik. Also muss eine kleine herkömmliche Tafel im Raum angebracht sein. Aus Platzgründen ergibt dies oftmals ebenfalls eine zusätzliche Kostenbelastung.

5. Bei allem Know-How, was in unseren Schulen heute und künftig Einzug hält, sollten wir nicht vergessen: Grundlegende Fähigkeiten des Lernens dürfen nicht verloren gehen.

Bleibt zu hoffen, dass der in diesem Jahr zu wählende Kreistag bei dem „Förderfehlprogramm" kräftig nachsteuert. Alle Schulen brauchen einen gleichberechtigten Zugang zu Fördermitteln, die ihre grundlegende Ausstattung verbessern.