17.02.2015
Stephan Wende
Erschienen in: Widerspruch (Fürstenwalde, Brandenburg)

Für mehr Schulsozialarbeit an Grundschulen

Fürstenwalder Linksfraktion fordert je eine SchulsozialarbeiterInnenstelle für die städtischen Grundschulen

Stephan Wende
Fürstenwalde/Landkreis Oder-Spree

Die diesjährigen Verhandlungen zum Personalstellenprogramm des Landkreises für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Oder-Spree, einer Kombination aus Personalstellen die durch das Land Brandenburg gefördert werden (510-Stellenprogramm) und kreislich- und kommunalfinanzierten Personalstellen, verliefen scheinbar reibungslos. Der Vorschlag der Verwaltung wurde sowohl im Jugendhilfeausschuss als auch im Kreisausschuss einstimmig angenommen.

Dabei gab es – erstmalig – eine gleich von mehreren Kommunen vorgetragene Forderung: Wir brauchen SchulsozialarbeiterInnen an unseren Grundschulen. Bis auf wenige Ausnahmen, insbesondere bei Schulen in freier Trägerschaft, fehlen diese im Landkreis. Besonders aus Fürstenwalde wurde hier der Druck aufgemacht – was hinsichtlich der Kindswohlgefährdung der 6- bis 12-jährigen mehr als verständlich ist. Den Druck hierzu hat die Linksfraktion in Fürstenwalde in Vorbereitung der Haushaltsberatung aufgemacht. In ihrem Antrag forderte sie je eine SchulsozialarbeiterInnenstelle an den städtischen Grundschulen. Dieser fand ein Mehrheit im Stadtparlament, auch „weil das Zeitfenster günstig ist“, wie die Fraktion argumentierte. In den Koalitionsverhandlungen zu Rot-Rot in Potsdam im Oktober 2014 wurde die Schaffung von 100 zusätzlichen SchulsozialarbeiterInnenstellen beschlossen und der Landrat Zalenga selbst hat die Kreistagsabgeordneten aufgefordert „neue Aufgaben des Landkreises zu benennen, zu denen sich der Landkreis dann auch finanziell bekennen muss“. Das ist doch eine Offerte, die wir LINKEN mehr als gerne nachkommen werden!

Die Fürstenwalder beschlossen sogleich, auch im Haushalt ihren kommunalen Anteil bereitzustellen und dieses Angebot in einem Brief der Stadtverordnetenversammlung an den Landkreis zu übermitteln.

Leider fehlt bis heute eine Antwort des Landkreises darauf. In Fürstenwalde und sicher auch in den anderen Kommunen, die den Bedarf angemeldet haben, könnte es losgehen. Und es ist bitter nötig, wenn wir hinter die Kulissen mancher Grundschulen im Landkreis blicken! Die hier mit viel Herzblut arbeitenden LehrerInnen und ErzieherInnen können dringend sozialpädagogische Unterstützung gebrauchen. So zum Beispiel bedarf der Übergang von Klasse 6 in Klasse 7 eine intensive Unterstützung, um den Start in die neue Schulphase für alle Beteiligten erfolgreich zu gestalten. Und auch die Förderung der persönlichen Entwicklung der Kinder, das Training ihrer sozialen Kompetenz bis hin zur Demokratiebildung, kann nicht erst den SozialarbeiterInnen in den Oberschulen überlassen werden. Die Grundlagen hierfür können und müssen viel früher gelegt werden. Den Schulfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Sekundarstufe I.


Nachricht

Der Kreistag Oder-Spree hat das Rahmenkonzept „Kinderschutz und Frühe Hilfen im Landkreis Oder-Spree“ verabschiedet. Damit werden „flächendeckend verbindliche Strukturen der Zusammenarbeit der zuständigen Leistungsträger und Institutionen im Kinderschutz aufgebaut, weiterentwickelt und versucht Systemgrenzen zu überwinden“ (§ 3 KKG – Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz). Es geht um ein enges Netz, es geht um eine strukturelle und institutionalisierte Zusammenarbeit und die Abstimmung der Hilfe- und Unterstützungsverfahren im Kinderschutz. Im Jahr 2015 stehen dem Landkreis hierfür ungefähr 93 000 Euro aus der Bundesinitiative „Netzwerk Frühe Hilfen und Familien­hebammen“ zur Verfügung.

Autor Stephan Wende:
Fürstenwalde,Mitglied des Kreistages und stellv. Vorsitzender des Jugend­hilfeausschusses, Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Fürstenwalde, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, Kontakt: stephan.wende@gmx.de