13.05.2014
Wolfgang Kraffczyk
Erschienen in: Offene Worte (Virtuelle AG Offene Worte, Eberswalde, Brandenburg)

Unternehmer an der Schule

In Bernau gibt es eine von 100 Schülerfirmen Brandenburgs

Bernau/Barnim

In der Schule im Nibelungenviertel in Bernau gibt es sie, im ganzen Land Brandenburg an über weiteren 100 weiterführenden Schulen: die Schülerfirmen. Mit verschiedenen Geschäftsideen erlernen die Schülerinnen und Schüler in vielfältiger Weise den Umgang mit Geld und Fertigkeiten für die wirtschaftliche Planung. „Dies sind für ihren weiteren Lebensweg wertvolle Kenntnisse und möglicherweise auch die Basis für die berufliche Orientierung“, schätzt Wirtschafts- und Europaminister Ralf Christoffers ein. Auf Einladung der Schülerfirma „Große Happen – Kleine Preise“ stattete er am 6. Mai der Schule im Nibelungenviertel einen Besuch ab und konnte sich dabei vom Engagement der Jugendlichen überzeugen.

Im Oktober 2009 mit einer Anschubfinanzierung vom Land und Kreis gegründet, erwirtschaften die 25 Mitglieder der GmbH – Schülerinnen und Schüler von Klasse 7 bis 10 – mit ihren Angeboten mittlerweile Gewinn. Zum Schuljahresende wird dieser nach Arbeitsanteilen, die genau erfasst werden, unter den Schülern in Form von selbst gewählten Sachgeschenken aufgeteilt.
Das kleine Unternehmen organisiert vor allem die gastronomische Betreuung der Frühstückspausen, ist aber auch aktiv bei der Versorgung verschiedener Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern, Lehrerveranstaltungen in der Schule oder beim Spieletag der Grundschule Schönow mit dem Sportverein. Belegte Brötchen, Panini, mitunter auch selbst gebackener Kuchen und verschiedene Naschereien gehören dazu wie diverse Getränke. Die Schlange an der Theke, die sich zur Pause bildete, zeugte davon, dass das Angebot gut angenommen wird. Und auch die Gäste, zu denen die Kandidatin der LINKEN für die Stadtverordnetenversammlung Bernaus, Christine Poppitz, gehörte, konnten sich vom leckeren Angebot überzeugen.

Minister Christoffers zeigte sich vom Enthusiasmus der Schüler beeindruckt. Die „diensthabende Schicht“ beginnt bereits um 7.30 Uhr, weit vor Unterrichtsbeginn, mit ihren Vorbereitungen. Nach der Schule müssen in der Regel noch die nötigen Einkäufe für den nächsten Tag getätigt werden, wenn die Schulkameraden bereits ihre Freizeit genießen. Und doch bestätigten die Akteure auf Anfrage, dass es ihnen viel Freude bereitet. So manch einer der jungen Gastronomen kann sich auch eine spätere Berufsausbildung auf diesem Gebiet vorstellen wie etwa Dominic, der vielleicht einmal Koch werden will.

Nach Ansicht von Ralf Christoffers befördern solche Schülerfirmen den Unternehmergeist und ein Klima der Selbstständigkeit. Dies ist gerade angesichts der Probleme, die es mittelfristig bei der Führungsübergabe von Unternehmen aus Altergründen an Nachfolger gibt, nicht hoch genug einzuschätzen. Das Land Brandenburg fördert deshalb diese Bewegung. So haben das Bildungsministerium und das Wirtschaftsministerium gemeinsam mit der Deutschen Kinder- und Jugend-Stiftung mit der Servicestelle „Schülerfirmen“ ein landesweites Unterstützungsportal für solche Unternehmungen eingerichtet. Die Servicestelle ist Teil des Projektverbundes kobra.net. Sie berät, qualifiziert und vernetzt Schülerfirmen im Land Brandenburg.
Beim Schülerfirmentag, der zuletzt im November 2013 in Potsdam stattfand, wird das Engagement von Schülerinnen und Schülern gewürdigt, die im Rahmen einer Schülerfirma eine Kooperation mit einem realen Wirtschaftsunternehmen eingegangen sind. Schülerfirmen ohne solche Zusammenarbeit wird die Gelegenheit geboten, Kontakte zur Wirtschaft zu knüpfen. Veranstalter ist das Wirtschaftsministerium.

Nach knapp einer Stunde, die wie um Flug verging, musste Minister Christoffers zum nächsten Termin. Er dankte den Schülerinnen und Schülern für die gute Bewirtung und dem Schulleiter, Herrn Hiepel, sowie der Leiterin des Projektes, Frau Buhl, für die herzliche Aufnahme. Vielleicht gibt es ja beim nächsten Schülerfirmentag ein Wiedersehen.